Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)

Friedrich 11. verloren gegangen war. Im Winter begab er sich nach Genua, das treu an ihm hielt; hier starb seine Gemalin Margaretha, und hier soll es gewesen sein, daß Johann von Schwaben im Gewände eines Mönchs vor ihm erschienen und fußfällig um Gnade gebe­ten, der Kaiser aber ihn zornig von dannen gewiesen habe, worauf er nie mehr gesehen worden sei. Der König Robert von Neapel hatte Heinrichs Zaudern auf dem Wege nach Rom benüzt, und unter seinem Bruder Johann von Uchaja eine auserlesene Kriegs- schaar nach Rom geschikt; der Kaiser zog nun im Früh­jahre 1312 rasch nur mit 2000 Mann nach Rom. Der Adel der Stadt kam ihm mit trügerischer Freund­lichkeit entgegen, an Verrath von den Italienern gewohnt, ließ er alle gefangen nehmen, stürmte das Kapitol, ward aber unter einem furchtbaren Blutbade zurükgeschlagen. Nicht in der Peterskirche, sondern im Lateran konnte er sich am 29. Juni von den Kardinalen krönen lassen, und während des Krönungsaktes ssogen Pfeile der Guelfen in den Saal, so wie ihr Hohngeschrei herübertönte; es blieb ihm nichts übrig, als Rom zu verlassen und sich zurük zu ziehen. Doch ungebeugten Muthes schlug er die Toskaner, die ihm den Weg verlegen wollten, und verheerte das schöne Land, das sich weigerte, ihn als Kaiser anzuerkennen. Endlich schlug er in einer öden Gegend bei Poggibonzi ein Lager auf, nannte den Ort Kaisersberg, und wollte hier eine Stadt gründen. Von hier aus theilte der Kaiser, wie im tiefsten Frieden, di italienischen Reichsämter und Güter an die treu geblie­benen Ghibellinen aus, bewarb sich um die Hand der schönen Katharina von Habsburg, Kaiser Albrechts Toch­ter, und betrieb große Rüstungen in Sizilien, Genua und Deutschland, um den Krieg aufs Ernstlichste zu führen. Sein Sohn, Johann von Böhmen, sollte ihm mit der Braut zugleich ein frisches deutsches Heer über die Alpen bringen. Doch in dem Augenblike, da seine Hoffnungen sich erfüllen sollten, wurde er nach einem vergeblichen 96

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