Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)

92 eben so unumschränkt zu gebieten, wie die Fürstenvögte; und Albrecht selbst suchte die unabhängigen Bauern durch jedes Mittel zu bewegen, die Reichsunmittelbarkeit und das Allodrecht aufzugeben und dagegen Oesterreichs Va­sallen zu werden. DerUebermuth des Reichsvogts Geßler, der die bekannte Geschichte mit Wilhelm Teil herbei­führte, der den Reichsvogt erschoß, war nun die erste Veranlassung zum Bunde der Eidgenossen. In der Neu­jahrsnacht 1308 eroberten die Unterwaldner die Vesten Rotzberg nnd Sarnen durch List und Gewalt, ebenso die Bewohner von Uri die Veste Zwing-Uri und Werner von Stauffach die Burg Lowers am Lower-See. Die Schlösser wurden der Erde gleich gemacht, die Gefan­genen der Besazung, wie der Reichsvogt Landenberg von Sarnen, wurden unbehelligt entlassen. Darauf gründeten die Schweizer zu Brunnen am See am 6. Januar die erste Einigung der Schweizer fürs Erste auf 10 Jahre, unter Vorbehalt aller ihrer Pstichten gegen Kaiser und Reich. Albrecht schwor den Empörern blutige Rache, ließ sogleich alle Zufuhr zu den Bergen absperren, um die ^unge Eidgenossenschaft auszuhungern, und rüstete mächtig. Doch bevor er sein Vorhaben ausführen konnte, traf ihn ein schmälicher Tod. Lange schon war sein Vetter Johann von Schwaben, der unter des Kaisers Vormundschaft stand, aufs Höchste gegen ihn darüber ergrimmt, daß er ihm sein Erbe vorenthielt. Beide befan­den sich in Baden an der Limát in der Schweiz, unfern Habsburg; da bat Johann seinen Oheim nochmals um sein Erbe; Albrecht aber spottete seiner als eines Jüng­lings, der nicht ans Regieren denken solle. Als sie aber nach Rheinselden ritten und über die Reuß fegten, am Fuße der Habsburg, da ersah Johann mit einigen Edel­leuten die Gelegenheit, und brachten den Kaiser meuch­lings um. Albrecht liegt begraben in dem zur Sühne des Mor­des erbauten Kloster Königsfelden im Aargau, in welchem der Hochaltar auf der Stelle steht, wo Albrecht fiel.

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