Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)
91 derdeutschen Fürsten, unterstüzt von Philipp dem Schönen, König von Frankreich, widersezten sich, und der Kaiser mußte abstehen; ebenso scheiterte der zweite Vergrößerungsversuch , durch die Heirat seines Sohnes Rudolf Burgund zu gewinnen, an dem Gegenwirken Frankreichs; nicht minder ein dritter Versuch, Böhmen zu erben, als durch den räthselhaften Mord Wenzels des Jüngern das böhmische Königsgeschlecht 1306 ausgestorben war; allein die Böhmen holten sich den Herzog Heinrich von Kärnten und trozten dem Kaiser. Wenigstens eine große Erwerbung wollte Albrecht an Thüringen machen, indem er das von Adolf von Nassau erkaufte Land jezt für sich ansprach. Wir sahen, daß Friedrich mit der gebissenen Wange, dessen gewaltige Eisenrüstung noch auf der Wartburg zu sehen ist, von seiner Mutter Margaretha der echte Enkel der Hohenstaufen, nach tapferer Gegenwehr Meißen und Thüringen verloren. Nach Italien, dem Lande seiner großen Ahnen, war er damals gestohen; zwar freudig von den GhibeUinen dort ausgenommen, waren diese dennoch, durch Konradins Beispiel abgeschrekt, von einem schwachen Versuch gegen die Uebermacht' ihrer Feinde. Als Kaiser Adolf geblieben, kehrte Friedrich nach Deutschland zurük und faßte in Thüringen wieder festen Fuß; die Thüringer schloßen sich wieder an ihn an und er schlug die Kaiserlichen 1307 bei Lucca, nochmals 1309 bei Varna, und erhielt sich in seinem Erbe. In diesen Zeitpunkt fällt die Entstehung der schweizerischen Eidgenossenschaft, hervorgerufen durch Albrecht und seine Unterbeamten, sogenannte Reichsvögte. Kaiser Albrecht hatte von seinem Vater die Reichsvogtei der freien Schweizer Bauern geerbt und ließ sie durch Untervögte verwalten. Zugleich waren diese unmittelbar freien Bauern des Reichs von den zahlreichen Lehen der österreichischen Herrschaft umringt, wo andere Vögte Albrechts geradezu das Herrenrecht übten, denn der meiste Adel war an des Kaisers Hof und seine Burgen und Lehen von Albrecht ausgekauft. Die Reichsvögte strebten nun.