Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)
76 der griechische Kaiser Isaak, von seinem Bruder AleriuS entsezt und geblendet worden war. Heinrich vermalte die schöne Witwe Irene mit seinem Bruder Philipp, und la- dete den Alerius zur Rechenschaft; dieser zahlte einen beträchtlichen Tribut, allein da nur Irene die rechtmäßige Erbin des griechischen Thrones war, so wollte der Kaiser Griechenland mit dem deutschen Reiche vereinigen. Ein Kreuzzug sollte das Mittel dazu bieten. Der Kanzler des Reichs, Konrad, Erzbischof von Mainz, führte diesen und belehnte unterwegs schon die Könige von Cypern und Armenien im Namen des Kaisers, der im Augenblike, wo er die Macht des deutschen Reiches über den ganzen Orient anszudehnen im Begriff stand, 1197 am 28. September in der Blüte seines Alters nach 7jähriger Regierung zu Messina, der Sage nach an Gift, nach Andern an einem Trünke kalten Ouellwaffers, starb. Wahlspruch: Qui nes- cit tacere, nescit loqui. 24. Philipp II. von Schwaben, HeinrichVI.jüngste Bruder, geboren 1176, und Otto IV. von Braunschweig, jüngerer Sohn Heinrichs des Löwen, geboren 1175, wurden zu gleicher Zeit zu deutschen Königen gewählt; der erste, der Hohenftaufe, von seinem Anhänge zu Mühlhausen, der andere, der Welf, von den ©einigen zu Köln, das er erst erobern mußte, im Jahre 1198. Doch Pabst Innozenz III., ein gewaltiger Charakter, erklärte den deutschen Fürsten, die Wahl hinge von ihm ab; die Könige herrschten nur über einzelne Länder, der Pabst über die ganze Erde; kraft dieser Gewalt entschied er sich für Otto, der ihn dafür als seinen Herrn erkannte. Beide Könige nun versuchten sich kräftig in ihrer Würde zu bethätigen, wodurch ein grausamer Krieg zwischen ihren Anhängern sich entspann, bei welchem 550 Städte und Dörfer in Flammen aufgingen. Otto aber war so unmächtig geworden, daß der Pabst selbst sich zu Philipp hinneigte, mit ihm zu unterhandeln begann, und ihn dann am 29. Juni 1201 zu Köln für rechtmäßig erklärte. Da raffte diesen ein schnel