Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)
77 ler Tod dahin. Otto von Wittelsbach nämlich, ein Seitenverwandter der Herzoge von Baiern, war von Philipp zum Eidame gewählt, wegen seiner Rohheit aber später abgewiesen worden. Als darauf Otto eine polnische Prinzessin fordern wollte, warnte Philipp auch diese in einem Briefe, den er dem Otto mitgab. Dieser schöpfte Verdacht, öffnete den Brief, und von Wuth ergriffen, kehrte er um, eilte auf Schloß Babenburg, wo Philipp hauste, der eben nach einem Aderlaß das Bett hütete, und tödtete ihn am2I.Juni 1208 mit einem gewaltigen Schwerthiebe, wodurch Otto von seinem Nebenbuhler befreit wurde.*) Diesem schien, um sich auf dem Thron zu erhalten, das nächste Mittel, sich dem Pabste zu unterwerfen; daher begab er sich 1209 nach Rom, und bewilligte dem Pabste alles, was er nur verlangen konnte, wofür er dann die Kaiserkrone empfing. Die Römer aber, erbittert wie immer gegen die Deutschen, trieben diese unter großem Verluste aus der Stadt. Dies wekte des Kaisers Ehrgefühl, er versuchte dem Pabste sich zu widersezen, indem er das ihm versprochene Toskana und die Mark Ankona dem Azzo von Este gab. Innozenz HI., kurz besonnen, that den Kaiser in den Bann, und schlug den deutschen Fürsten vor, den jungen Friedrich, Heinrichs VI. Sohn, zum Könige zu wählen, der als König von Neapel und Sizilien in Palermo heitern Hof hielt. Otto fiel jezt 1211 rasch in Unteritalien ein, und war im Begriff sich nach Sizilien einzuschiffen, um sich zuerst seines Nebenbuhlers zu entledigen, als er die Nachricht erhielt, die deutschen Fürsten hätten zu Bamberg diesen Friedrich zum Könige gewählt. Da zog er rasch über die Alpen zurük und begann mit kräftigen Streichen seine Gegner zu züchtigen. Indessen war Friedrich 1212 über die Alpen und Otto IV. gegen Konstanz entgegengezogen, dessen Bürger vor Otto die Stadtthore sperrten, dagegen Friedrich, den Enkel Barbarossas, der von den mächtigen *) Nach Andern geschah der Mord im bischöflichen Palaste zu Bamberg.