Gábor Eszter: Die Andrássy Straße - Unser Budapest (Budapest, 2002)
Reihe von Mietthäutern und Getchähttlokalen danteilen würde, wat früher oder tpäter zu einem fatalen Konfakt mit Jenem .Stil' fahren würde.” Der Mann von der Straße sah von all dem bloß, daß die Andrássy út altmodisch, nicht modern war, und suchte sich anderswo eine Wohnung. (Alsbald wurde auch die Sezession unmodern, wie das Beispiel der Babocsay-Villa zeigte.) Wohl die Verbreitung des neuen Geschmacks bewirkte, daß die Andrássy út im Vergleich zu früher grauer wurde. Einige Häuser, von denen wir wissen, daß sie ursprünglich Rohziegelmauern hatten — der Sockel, die Kanten und die Fensterrahmen aus Stein hoben sich davon ab — wurden nachträglich einheitlich verputzt (die Häuser des Oktogon, die Weninger-Villa in der Andrássy út 126 und die gegenüberliegende Révay-Villa unter Nr. 125; es ist jedoch nicht auszuschließen, das es auch andere gab). Glücklicherweise ist das Haus des Pensionsinstituts der Ungarischen Staatlichen Eisenbahnen von Kiauser davongekommen. Von der Edelsheim-Gyulay-Villa sind schon Jahrzehnte, bevor sie abgetragen wurde die Sgraffitos von Rauscher verschwunden, welche am anderen Palast am Körönd glücklicherweise erhalten geblieben sind. Die vierzig Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg waren Jahre der Armut und Vernachlässigung. Die oft als Bürohäuser benutzten Mietshäuser und Paläste wurden kaum instand gehalten, außerdem unverantwortlich umgebaut. Die Gebäude gingen mehr und mehr zugrunde. Reichlich waren in der Straße bloß die Namensänderungen. Am 21. Dezember 1949 wurde die Straße, anläßlich des 70. Geburtstags Stalins nach ihm benannt. Diesen Namen trug sie bis zum Oktober 1956. Damals hieß sie für kurze Zeit Straße der Ungarischen Jugend (Magyar ifjúság útja), dann zwischen 1957 und 1990 Straße der Volksrepublik (Népköztársaság útja), 1990 erhielt sie dann ihren alten Namen Andrássy Straße (Andrássy út) zurück. Das Leben der Straße änderte sich ebenfalls, die elegante Equipagenreihe wurde 1919 — und von Zeit zu Zeit auch zwischen den beiden Weltkriegen — oft von Aufmärschen, Demonstrationen abgelöst. Am 1. Mai 1919 marschierten die Massen aus der Stadt zum mit Dekorationen geschmückten Millenniumsdenkmal im Stadtwäldchen. Beim Besuch des italienischen Königs Viktor Emanuel II. marschierten die Heerscharen vor der am Körönd aufgestellten Ehrentribüne vorbei zum Heldenplatz hin. Von 1945 bis Mitte der fünfziger Jahre, bis die Dózsa György út für Paradeaufmärsche erweitert wurde, zogen die Paraden von der Stadt her über die Andrássy út zum Heldenplatz. Seit dem Beginn der neuen Epoche ist der Rang der alten, vornehmen Häuser wieder gestiegen. Firmen, Unternehmer und Privatpersonen sind mehr und mehr daran interessiert, in der Andrássy út ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen, und unternehmen meist erbarmungslose Modernisierungen, wobei auch noch das zerstört wird, was die vorhergehenden Jahrzehnte vielleicht überdauert hat. Sie bauen Glaswürfel auf das Dach eines Gebäudes mit sorgfältig 65