Gábor Eszter: Die Andrássy Straße - Unser Budapest (Budapest, 2002)
durchdachten Proportionen (Andrássy út 9), bauen ohne jedes stilistisches Wissen davor, dazu und darauf (Andrássy út 112) oder hacken mit der Spitzhacke bisher sorgfältig bewahrten Intarsien-Parkettböden auf, weil diese nicht modern genug sind. Hinter den glanzvollen Renovierungen steckt die Verwüstung des Neobarock. All dies ist jedoch gar nichts im Verhältnis zu dem, was die Verbreitung und Zunahme des Autoverkehrs der Straße angetan hat. Den Gnadenstoß gab schließlich die Umleitung des von der Autobahn M3 auslaufenden Verkehrs hierher. Die historische Untergrundbahn geriet in Gefahr, die Abdeckung mußte verstärkt werden. Die jahrhundertealte Platanenreihe wurde praktisch ausgerottet. Die Fenster zur Andrássy út hin können des Lärms und Gestanks wegen schon seit Jahrzehnten nicht mehr geöffnet werden. Die Zeiten der Spaziergänge auf der Andrássy út sind vorbei, vom Stadtwäldchen bis zur Bajcsy-Zsilinszky út kann man nicht mehr zu Fuß gehen, ohne daß es einem schlecht wird. Obwohl sich die Lage in letzter Zeit etwas gebessert hat. Es rasen keine Lastkraftwagen mehr durch, die Buslinie Nr. 4 wurde gekürzt, der Bus Nr. 1 abgeschafft, der kleine Mann verkehrt wieder unter der Erde, und die Andrássy út haben nun triumphierend die Personenwagen und Touristenbusse in Besitz genommen. 66