Zeidler Miklós: Sportanlagen - Unser Budapest (Budapest, 2000)
begonnen werden. Die Zuschauer nahmen am 10. Mai 1925 zum ersten Mal auf den Tribünen Platz. Die Tribüne erster Klasse im italienischen Neorenaissancestil harmonisierte gut mit der einfacher gestalteten, doch etwas größeren Tribüne zweiter Klasse. In dem Bau der Tribüne erster Klasse befanden sich die Logen, über ihnen der „Zuschauerraum für alle“ und ganz oben das „Plateau“, von dem man die beste Aussicht auf die Bahn bot. Im zweiten Stock der großen Tribüne, unter den Treppenläufen, verlief der „Seufzergang“, durch den die Menschen mit ihren „todsicheren“ Tips zu dem Totalisator - den Kassen des Wettbüros - eilten. Vor den Tribünen erstreckten sich drei, je 50 Meter breite Rasenbahnen, den Tribünen am nächsten lag die 1 300 Meter Gerade, die mittlere Bahn, die bei Rennen mittlerer Distanzen benutzt wurde, leichte Kurven hatte und „Ellbogenbahn“ genannt wurde. Auf der inneren Ellipse fanden die Rennen der langen Distanzen, die Derbys statt. In den ersten Tagen des Jahres 1945 verursachte die Belagerung von Budapest auch auf der Galopprennbahn furchtbare Schäden. Die Rennen konnten erst gut ein Jahr später wieder stattfinden. Ein Teil der Gebäude wurde von den Betonfundamenten an neu gebaut, die Bombentrichter auf der Bahn wurden mit Pferdekadavern, Schutt und Erde aufgefüllt. Es fehlten auch die entsprechenden Rennpferde, geeignete Vollblüter und Halbblüter konnten im ganzen Land kaum aufgetrieben werden. Das apokalyptische Bild nach dem Krieg veränderte sich aber schnell: die Rennbahn wurde, wenn auch nicht in der ursprünglichen Pracht, doch anspruchsvoll erneuert. In der Nähe der Rennstrecken steht heute der Zierbrunnen vom Rennplatz im Stadtwäldchen, vor der Tribüne erster Klasse stehen zwei Pferdeskulpturen, die den beiden erfolgreichsten ungarischen Rennpferden, Kincsem (mein Schatz) und Imperial, ein Denkmal setzen. Eine interessante Besonderheit sind auf dem Gelände der „Lovi“ genannten Pferderennbahn die beiden Mikrogemeinschaften. Die eine ist die ein bißchen geschlossene Gesellschaft der Angestellten der Pferderennbahn, sie bewohnen die einstöckigen roten Ziegelhäuser der „Wohnsiedlung“ am westlichen Ende der Rennbahn. Die andere ist das vom Frühling bis zum Herbst sich hier aufhaltende Stammpublikum, das sich in diesen Mauern - die nun schon als Baudenkmal auf ihre möglichst baldige Renovierung warten - eine eigenartige Subkultur bewahrte beziehungsweise schuf. 33