Prohászka László: Der Donaukorso - Unser Budapest (Budapest, 1998)

Porträts das Haus Petőfi tér Nr. 1 - 1972 am 15. März wäh­rend einer Demonstration eingeweiht.) Die deutsche Besetzung am 19. März 1944 schuf eine ganz neue Situation. Auf Grund des ungarisch-britischen Geheimabkommens aus dem Jahre 1943 hatten die alli­ierten Flieger Ungarn bisher nicht angegriffen; Ende März 1944 begannen jedoch die englischen Bombardements, vor allem der militärischen Zielpunkte. Die beiden Ufer der Donau, der königliche Palast bzw. die Pester Hotelzeile wurden damals noch nicht ernsthaft beschädigt. Der Reichsverweser Miklós Horthy versuchte im Herbst 1944 das üngmögliche: das schon in Flammen stehende Land aus dem Krieg hinauszuführen. Viele meinen, das Unheil hätte eben am Donaukorso seinen Anfang gehabt: Im Morgengrauen des 8. Oktober 1944 entführten die Männer der Gestapo Generalleutnant Szilárd Bakay auf der Promenade, als er aus seinem Hauptquartier im Donau­palast zu seinem Kontrollrundgang aufbrach. Bakay war nicht nur der Stadtkommandant von Budapest, sondern auch der militärische Befehlshaber des Absprungs. Seine Gefangennahme war ein fataler Schlag, da der deutsche Geheimdienst somit den wichtigsten militärischen Leiter der Aktion ausgeschaltet hatte. Mit der Vereitelung des Austritts am 16. Oktober und der Machtübernahme der Pfeilkreuzler ging das Land der letzten Station der Tragödie entgegen. Zu Weihnachten 1944 schloj3 sich der sowjetische Ring um Budapest. Es begann die fast zweimonatige, zerstö­rerische Belagerung der Hauptstadt. Die Zivilbevölkerung suchte Ende Dezember in Kellern und Schutzräumen Zu­flucht. Die Hotels standen damals noch fast unbeschädigt am Korso. Der Donaupalast, das damalige berühmte Ritz, empfing noch während des Kugelregens Anfang 1945 seine Gäste. Es ist zwar wahr, damals schon in den im Kel­ler eingerichteten Luftschutzräumen. Jenő Thassy be­schreibt in seinem autobiographischen Buch Veszélyes vidék (Gefährliches Land) die Geschichte eines solchen Abendessens im Januar 1945: „Das Ritz verfügte, wie man sieht, über enorme Reisvor­räte. Silberglocken bedeckten die dampfenden Schüs­seln, es gab französischen Wein zum Risipisi. Wir ver­zehrten ein siebengängiges Reisfestessen, das einzige Zugeständnis waren die Papierservietten und die Glas­platte statt eines Tischtuches. Das weiße Plastron der Kellner blendete auch nicht ganz so wie sonst, ihre Ma­34

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