Prohászka László: Der Donaukorso - Unser Budapest (Budapest, 1998)

ziergang oder Verhandeln konnten hier oft auf bekannte Schriftsteller oder Schauspieler treffen. Das Blatt Színházi Élet (Theaterleben) berichtete gerne in seiner Klatsch­spalte vom Korso, wo man in den dreißiger Jahren oft El­írna Bulla oder Ida Turay, Ella Gombaszögi oder Pál Ki­rályhegyi fotografieren konnte. Diese Promenade war wie eine Art künstlich inszenierte, elegante Bühne. Folgende Anekdote widerspiegelt die un­gezwungene Oberflächlichkeit des Lebens auf dem Korso: Jenő Heltai spazierte auf dem Korso auf und ab, als sich ein junger Mann zu ihm gesellte. Zusammen weitergehend unterhielten sie sich freundschaftlich, als jemand den Schriftsteller grüßte. „Wer war das?“ fragte der junge Mann. .Woher soll ich das wissen, ich weiß doch nicht mal, wer du bist“, antwortete Heltai. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939 nahm auch das ruhige und unbeschwerte Leben des Korsos ein Ende. Die Regierung verordnete nächtliche Ver­dunkelung. Es gab keine Festbeleuchtung der Zitadelle, Kettenbrücke oder der Budaer Burg mehr. Auf dem Platz vor der Redoute wurde bald in der Nähe des Donaukorso Cafés eine auf einer hohen Eisensäule angebrachte Luft­schutzsirene aufgestellt. Einen Großteil der Budapester Hotelzimmer besetzte man - damals noch mit einer gewis­sen Diskretion - für militärische Zwecke, so konnten auch auf dem Korso mehr hochrangige Offiziere als sonst be­obachtet werden. Das in den folgenden Jahren eingeführte, immer stren­gere Markensystem und die Einschränkungsverordnungen bezüglich der Restaurant-Menüs konnte man in den Lu­xushotels am Korso weniger spüren. Der Umsatz in den Restaurants und Vergnügungslokalen war weit davon zu­rückzugehen, ja er nahm sogar noch zu. Sozusagen als Flucht vor den immer düsteren Kriegsnachrichten stürzten sich viele in die Unterhaltung, um das Leben noch solange zu genießen wie möglich. Unter Einfluß dieser Konjunktur mit unheilverkündendem Vorzeichen wurde 1941 am Kor­so ein elegantes Vergnügungslokal eröffnet. Der Besitzer Lajos Paulin eröffnete in einem vom Donaukorso Café ab­getrennten Teil das Lokal Ambassadeur, ein Luxusrestau­rant und eine Bar mit Musik, jedoch ohne Tanz. Lajos Paulin soll noch extra erwähnt werden. Aus dem Buch Erinnerungen der Gastronomie von Imre Gundel und Judit Harmath erfahren wir, daß Paulin im Ritz gelernt hat und ebenda auch Oberkellner war. Der Korso war sein Leben. Ihm gehörte das 1931 eröffnete Café Negresco, 32

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