Prohászka László: Der Donaukorso - Unser Budapest (Budapest, 1998)

bemaschine hergestellt.“ Großes Aufsehen erregte auch die später vor dem Haupteingang des Hotels gebaute Dreh­vorrichtung für Wagen. Vor dem Haupteingang in der Türr utca war die Straße so eng, daß die Autos sehr schwer um­lenken konnten. Die Hotelleitung ließ deshalb am Ende der Straße eine Drehscheibe auf den Weg bauen, die, in­dem sie einen Halbkreis zurücklegte, die Autos umdrehte. Die Gäste mußten sich somit nicht durch Rückwärtsfahren beim Clmkehren plagen. Das Grandhotel hatte sich seine Anerkennung jedoch nicht durch technische Errungenschaften erworben, son­dern durch seine bequemen Zimmer, seine eleganten Mö­bel, die ausgezeichnete Küche und die Gedecke. Es ver­fügte über eine eigene Zeitung in drei Sprachen, die jeder Gast gratis erhielt. lm Grandhotel Hungária waren zahlreiche Berühmthei­ten abgestiegen. 1877 gab Franz Liszt in diesem Gebäude ein Konzert. (Seit den dreßiger Jahren erinnerte eine Mar­mortafel an dieses Konzert.) Zu Gast waren hier Edison und Puccini, Richard Strauß und Waclaw Nischinski. The­odore Roosevelt, der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, der extra nach Budapest gekommen war, um den Verfasser des Werkes „Sankt Peters Schirm“ kennen­zulernen, traf sich mit Kálmán Mikszáth im Hungária. Gleich neben dem Grandhotel Hungária, sozusagen an­gebaut, entstand um 1870 nach Plänen von István Linz­bauer (in ähnlichem klassizisierendem eklektischen Stil) das Lévay-Haus, welches bescheiden neben seinem welt­bekannten Nachbarn dastand. Henrik Lévay, der Besitzer, betrieb dieses Gebäude als Mietshaus. Das südlichste Ende der Gebäudezeile am Pester Do­nauufer stellte das Heinrich-Haus dar, welches ebenfalls in der zweiten Hälfte der 1860er Jahre im neorenaissance Stil nach Plänen von Antal Gottgeb gebaut wurde. Im Erd­geschoß des dreistöckigen Mietshauses von István Hein­rich befand sich das Steingassner, später Petőfi Café, welches vor allem von Bürgern des Mittelstandes, ja sogar, was damals als Seltenheit galt, auch von Damen besucht wurde. (Es heßt, daß in den 1870er Jahren der Schriftstel­ler Kálmán Mikszáth sowie der Rechtsanwalt Károly Eötvös oft hier zu Gast waren.) Nicht nur neue Gebäude erschienen am Korso. Ein Zei­chen des Fortschritts war auch, daß 1872 der Donaukorso gemeinsam mit der Váci utca und der Dorottya utca als er­ste in Pest asphaltiert wurden. Als Tivadar Puskás das Te­lephon erfand und am 1. Mai 1881 in Pest - nach Boston 17

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