Buza Péter: Quellen und Zierbrunnen - Unser Budapest (Budapest, 1994)

seinem Testament der Stadt eine stattliche Summe vermacht, ein Teil des Geldes - 40 000 Kronen - sollte zum Aufstellen eines Zierbrunnens verwendet werden, auf dem auch sein Porträt verewigt werden sollte. 1900 veranstaltete die Haupt­stadt ein Preisausschreiben, zu welchem 21 Arbeiten eingelie­fert wurden. Auf einer Ausstellung in der Kunsthalle wurden sie der Öffentlichkeit vorgestellt, so konnte diese zum ersten Mal auch ihre Meinung dazu abgeben. Der junge Bildhauer Kálmán Nagy gewann den ersten Preis mit seinem die Schafe zur Tranke führenden Schäfer. Es war eine tragische Idee: während er seine Modelle in natura stu­dierte, bekam der Künstler von einem kranken Tier eine tödliche Krankheit; bevor er sein Werk beginnen konnte, hatte das Thema ihn umgebracht... Es mußte also ein neues Preis­ausschreiben organisiert werden, welches Barnabás Holló gewann. Die Basis der Komposition am Corvin tér ist ein dreigegliederter Stein, auf dessen mittlerer Säule die Bronzefi­gur eines ungarischen Helden prangt, den Durst aus seinem Trinkhorn stillend, zu Füßen sein Hund, ln der einen Vertie­fung des Säulenkörpers ist ein Relief mit dem Porträt von Millacher zu sehen, außerdem steht am Stein auch die Auf­schrift „Brunnen des Ludwig“. Neue Moden Zu jener Zeit modellierten die Künstler der Budapester Zier­brunnen gerne Genre-Szenen, ein Stil, der lange diese Gat­tung dominierte. Es lohnt sich, einige Titel der Wettbewerbs- Arbeiten für den Millacher-Brunnen zu erwähnen: „Österliches Begießen“, „Toldi ringt mit den Wölfen“, „Der Gaukler kommt“ oder „Die Volks-Schelmerei Aufhören Bözsef "... ln die gleiche Gruppe können auch jene Genrebilder mit Skulpturen gezählt werden, die mit dem Wasser zusammen­hängende Szenen darstellen. Dazu gehören z. B. die bronze­nen Kinderstatuen von Károly Senyei, das Werk Volkslied von János Horvay (Erzsébet tér), der Krebsfangende Junge von Miklós Ligeti (beim Wasserfall auf der Margareteninsel) und der Hühnerdieb von György Kiss (Ecke József körút und Krúdy utca). Diese gehören auch heute noch - wenn auch einige manchmal ihren ursprünglichen Platz verließen - zu den charaktervollen und typischen Zierden von Budapest. Gleichzeitig erscheinen im ersten Jahzehnt unseres Jahr­hunderts ideologisch inspirierte Schöpfungen voller symboli­scher Figuren auf unseren öffentlichen Plätzen, die eine neue Richtung für Auftraggeber und Künstler anzeigen. Der erste Zierbrunnen dieser Art war der sogenannte Frie­dens-Brunnen oder Pauiiner-Brunnen; er steht nicht mehr auf seinem Stammplatz am Molnár Ferenc tér in der Josephs­41

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