Buza Péter: Quellen und Zierbrunnen - Unser Budapest (Budapest, 1994)

an seinen Ort. Den enormen Stein brachte man aus Buda­kalász. Ein spezieller vielachsiger Wagen wurde hergerichtet, der von Tausenden begleitet den riesigen, beflaggten Stein­block brachte. Der Budapester Unternehmer Ignác Schön verlangte 2300 Goldforint für das Spektakel. (Dieser Wagen wurde noch einmal verwendet, und zwar in den zwanziger Jahren, als der Gedenkstein der Helden auf den Heldenplatz transportiert wurde.) Die Skulpturenverzierungen des Springbrunnens modell­ierte Leo Feszler, Béla Brestyánszky meißelte sie, die Zier­motive hingegen sind die Arbeit des Steinmetzen Vilmos Marchenke. über den 1883 eingeweihten Brunnen heißt es im Bericht: „Der Künstler des Brunnens verkörperte in den Skulpturen die vier größten Flüsse unseres Landes und hat damit dem plastischen Teil einen eigenartigen nationalen Zug gegeben. Drei der vier Flußallegorien sitzen inmitten des Beckens auf dem nach drei Seiten vorspringenden Podest. Vorne rechts die Theiß (Tisza), als junge, liebreizende Frau, mit übereinandergeschlagenen Beinen; mit beiden Händen umfaßt sie ein Netz, aus welchem gerade einige Störe heraus­gefallen sind. Links sitzt die Drau (Dráva), ihr einer Fuß ruht auf einem verzierten Gefäß. Im Schoß hält sie Schnecken und Muscheln; einige davon trägt sie auch als Schmuck im Haar, ja sogar das Diadem über ihrer Stirne ist eine Muschel. Dahin­ten sitzt ihre Schwester, die Sau (Száva), die schöner ist als die anderen, jedoch tatenlos vor sich hinblickt. (...) Die Krone dieser so genau aufgebauten Architektur bildet die Gestalt der Donau (Danubius), die ganz oben steht. Der Fuß ruht auf dem Kopf eines Delphins, in der Hand hält er eine Schaufel, auf die er sich stützt, in der linken eine Muschel. Das von der Schulter gerutschte Gewand läßt den ganzen Körper erblicken, der an die Neptunstatuen erinnert.“ Trotz Wasserleitung ließ die Stadtverwaltung lange Jahre, z. B. nach dem Ersten Weltkrieg, diesen ersten wirklichen Zierbrunnen Budapests nur an Sonntagen Wasser geben; an Wochentagen konnte das Publikum ihn bloß als Statuenkom­position bewundern. Im Zweiten Weltkrieg zersplitterten ihn die Kugeleinschläge, und was der Krieg noch nicht zerstört hatte, tat später wäh­rend des Abtragens - denn das wurde beschlossen - die Unachtsamkeit. Die gemeißelten Steine wurden mit Draht­seilen auseinandergezerrt und weggetragen. Nach nicht zu detaillierten Fotos begann man Ende der fünfziger Jahre sie neu zu schaffen, vom Original war nichts Verwendbares mehr vorhanden. Der Stein kam in die Werkstatt von Dezső Györy wieder aus Budakalász, es gab wieder Probleme mit dem Transport des Steinbeckens, und der Standort war ebenfalls problematisch. Man sprach von der Margareteninsel, dem 37

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