Gerle János: Paläste de Geldes - Unser Budapest (Budapest, 1994)

am nächsten. Das Innere ist das typische Beispiel des in der Einleitung beschriebenen Bankgebäudes: eine gemusterte, trapezförmige Qlasdecke bedacht die Kas­senhalle im Hof des Gebäudes. Von besonderer Fein­heit sind die Muster und schimmernden Farbnuancen der Bleiglaswand zwischen Vorhalle und Kassensaal. Die Renovierung und Modernisierung des Kassensaals in den achtziger Jahren (Entwurf von Antal Lázár) hat die originale Einrichtung glücklicherweise bewahrt. Schließlich das dritte und eine andere Art der Aus­nahme ist das Gebäude der Budapester Bank AG besser bekannt unter dem späteren Namen Böhmisch- CJngarische Industriebank (Nádor utca 6.). Beim Preis­ausschreiben des Jahres 1911 (die beiden Sachver­ständigen der Kommission waren Ignác Alpár und Béla Lajta) wurden die Pläne von Gyula Haász und Béla Málnai bzw. Sándor Heidelberg als geeignet dafür be­funden, gemeinsam die Basis für den Ausführungs­plan zu bilden. Erstere hatten die Aufgabe mit einer außerordentlich puritánén Fassade, bescheidener, klas- sizisierender Dekoration gelöst, letzterer durch reichhal­tige, wuchernde sezessionistische Formenbildung. Der gemeinsame Entwurf basierte eher auf dem Plan von Haász und Málnai. Das Ergebnis ist ein Gebäude, wel­ches in der einheimischen und internationalen Fachlite­ratur als bedeutendster Vorläufer des ungarischen Mo­dernismus erwähnt wird. Die ganz undekorierte, mit Steinplatten verkleidete, durch gleichmäßige Fenster­öffnungen gegliederte Fassade erinnert an jene Kon­zeption, die ein Jahrzehnt früher im Zusammenhang mit Otto Wagners Arbeit erwähnt worden war. Da sich der Gebäudekomplex an der Ecke der Straße befindet, besteht das einzige betonte trennende Element aus einer Reihe blechverkleideter Erker. Das Erdgeschoß und der erste Stock gehören zur Bank; hier sind die Holzfenster (nach Zeichnungen des Kunstgewerblers Gyula Tálos) voller eigenartiger, spätsezessionistischer, üppiger Ornamentik. Die an der Front zur Mérleg utca liegende Kassenhalle, die sowohl vom Hof als auch von der Straße her beleuchtet wird, weist eine ebenso rei­che, holzgeschnitzte Einrichtung auf; vor allem die zu den Büros führende Treppe ist es wert, bewundert zu werden. Das dritte Gebäude in der Nádor utca Nr. 21 (es gehört heute zur Landessparkasse OTP) ist wegen sei­58

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