N. Kósa Judit - Szablyár Péter: Das unterirdische Pest - Unser Budapest (Budapest, 2002)
hohe Große Felsen den korrodierten, grauen Kalkstein der Karstgebirge, der 22 Meter hohe Kleine Felsen neben dem Teich erinnert an Gebirge aus Tiefengestein (Granit und Gneis). Nach ihrem Bau durften die Besucher sie besteigen und konnten vom Gipfel die ausgezeichnete Aussicht genießen. Die Form der „Berge” entstand durch eine Schale aus Eisenbeton, die auf ein Eisenbetongerüst gebaut war. Die Konstruktion war eine für ihre Zeit einmalige ingenieurmäßige Errungenschaft. Den Bau der Kunstfelsen begann 1909 das Unternehmen von György Pohl. Während, der dreijährigen Ausführung bauten 150-220 Arbeiter 8000 Kubikmeter Beton ein (50 Leute arbeiteten nur an der besonderen Verschalung). Zuerst wurde die Tragekonstruktion errichtet, dann die Schalenkonstruktion, in deren Mörtelschichten sogar Schweinsborsten gemischt wurden! An der Ober- fäche des Großen Felsens von 19 000 Quadratmetern wurde ein spezielles Wasserableitungssystem und eine Dilatationskonstruktion gestaltet. Beim Bau der „Plateau'-Betonbauten zwischen den beiden Gipfeln des Großen Felsens mußte an die Masse der Besucher, an das Gewicht der Schneemassen im Winter und an die ausgebreiteten Erdmassen gedacht werden. Unter dem „Hauptgipfel entstand ein Innenraum von 31,8 Metern Spannweite sowie darüber eine Hängekuppel. Hier wurde ein Wasserbehälter von 4000 Kubikmetern gebaut, sozusagen als Seele des eigenen Wasserversorgungssystems des Tiergartens. Auch der Brunnen zur Sicherung der Wasserversorgung wurde gebohrt, doch nie in Betrieb gesetzt, da der geplante Kostenrahmen sich erschöpft hatte. Der Tiergarten wurde nun an das inzwischen neu erbaute hauptstädtische Wasserleitungssystem angeschlossen. Die Zisterne steht jedoch noch immer leer da, unter dem Gipfel des Großen Felsens... Ein anderer Plan Dr. Lendls war, im ovalen Raum unter dem Großen Felsen ein Museum der im Tiergarten verendeten besonderen Tiere einzurichten. Folgendermaßen schrieb er darüber: „Hier stellen wir einen ausgestopften Eismeer-Wal aus, vielleicht zusammen mit dem Skelett, außerdem Delphine in mehreren Exemplaren, da diese nicht viel kosten und sehr besondere, selten zu sehende Tiere sind." Dieser Plan wurde nie verwirklicht. Dem gegenwärtig im Tiergarten stattfindenen Renovierungsprozeß können auch die Kunstfelsen nicht entgehen. Die Beschädigungen aus dem Zweiten Weltkrieg, unprofessionelle Ausbesserungen und der allgemeine Verfall des Zustandes der Betonkonstruktion verlangen eine umfassende Rekonstruktion. Nach der Verstärkung der Konstruktion des Kleinen Felsens wurden die den Bau umgebenden Ausläufe modernisiert (Tunnelplätze der Eisbären und Robben, der Robben-Pinguin-Vorfürungsraum, das Schnee-Eulen-Flughaus), gänzlich re37