Boros Géza: Statuenpark - Unser Budapest (Budapest, 2002)

39- Denkmal des Budaer Freiwilligenregiments (Mihály Mészáros, 1975) Das 1945 zur Zeit der Belagerung von Budapest organisierte Budaer Freiwilli­genregiment war die einzige ungarische Truppenformation, die auf der Seite der Sowjettruppen an der Vertreibung der deutschen Besatzer teilgenommen hatte. Auf dem Betonblock des Denkmals, welches früher an der Vörös Hadsereg útja (heute Hűvösvölgyi út) stand, ist der negative Abdruck vorwärtsstürmender Sol­daten zu sehen. Die grobe Eisenbeton-Form und die dynamische Komposition sollen den elementaren Charakter des Kampfes veranschaulichen. Auf der einen Seite des Denkmals kämpfen ungarische, auf der anderen sowjetische Soldaten für ein gemeinsames Ziel. Die beiden Seiten verbindet ein explosionsartig durch die Mauer dringender fünfzackiger Stern. Als man über das Schicksal des Denk­mals entschied, erwiesen sich nicht die Beurteilung der historischen Rolle des Regiments als problematisch, order der künstlerische Wert der in ihrer Formen­sprache moderner als gewohnt geltende Arbeit, sondern der fünfzackige Stern. Der Bezirksrat trug sich sogar mit dem Gedanken, den Stern in ein Wappen (mit Krone) der Republik umzumeißeln und das Denkmal somit bestehen zu lassen. Das wäre jedoch eine Art inhaltlicher Verfälschung des Werkes gewesen, und so entschloß man sich schließlich, das Denkmal an einen anderen Ort zu bringen. Ein anderes Denkmal des Regiments, welches keinerlei Symbole der Willkür­herrschaft trug, durfte an seinem ursprünglichen Ort bleiben: Es ist die am Vérmező im Jahre 1967 aufgestellte Schöpfung von Iván Szabó und Károly Jurcsik. Die letzte Station der Promenade führt ans Ende des Parks. Der Planer spricht folgendermaßen darüber: „Wenn der Weg nun aus dem Muster des Pfades her­auskommt (welches - wohl nur der Absurdität wegen - ein nettes Blumen­muster ist), führt er weiter und da stehen plötzlich, wie ein hinteres Portal, zwei riesige Statuen, die den Park sozusagen zusammenfassen und abschließen. Sie deuten auf alle drei Promenaden hin, da hier von zwei Personen die Rede ist, die beide mit der .Befreiung' zu tun hatten. Ihrer einstigen Standorte wegen waren sie allen Budapestem ein Begriff: nun stehen die Gestalten von Ostja- penko und Steinmetz, das einstige westliche bzw. östliche ,Tor' Budapests ne­beneinander. Der Weg führt auch hier zwischen ihnen hindurch, sie winken mit den Fahnen, doch der Weg führt nur noch 10 Meter weiter", und Schluß. Die beiden Abschied winkenden Statuen sind metaphorische Werke von zusam­menfassendem Charakter: beide bedeuteten verfälschte historische Tatsachen, beide waren 1956 zerstört und wieder aufgestellt worden, und nachdem ihre Legende zerronnen war, wurden aus den Denkmälern der aufgedeckten Lügen gezähmte Orientierungspunkte, die alsbald zum Stadtbild gehörten. 50

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