Faurest, Kristin: Zehn Budapester Plätze - Unser Budapest (Budapest, 2010)

■ Erdarbeiter warten in den 1920er Jahren am Teleki tér aufi Arbeit Verbraucher muss sich krampfhaft zur Ware oder zu den Lebensmitteln durch­ringen." Sogar Reis, Bohnen und Erbsen, die zu den Grundnahrungsmitteln gehörten, waren schwer zu bekommen. Die Ärmsten unter den Bewohnern Budapests mussten in langen Schlangen warten und viele von ihnen waren Analphabeten, so dass sie oft die Aufschriften, welche berichteten, dass Waren ausgegangen seien oder später geliefert würden, nicht entziffern konnten. Frauen kamen oft um 4 Uhr morgens und standen bis zum Abend Schlange, manche von ihnen schliefen sogar zwischen den Buden, so arg war die Lebensmittelkrise. Man mun­kelte sogar, dass manche Frauen sich Babys borgten, um schneller an die Reihe zu kommen, weil man stillenden Müttern oft Vortritt gewährte. Die Zwischenkriegsjahre waren auch nicht leicht. Zwischen den zwei Welt­kriegen warteten hier Arbeitslose auf Tagelöhnerarbeit, schliefen sogar unter freiem Himmel, ln den 1920er Jahren gab es viele wandernde Hilfsarbeiter und Erdarbeiter (auf Ungarisch bekannt unter dem Sammelnamen kubikus), Arbeits­kräfte zwischen Agrikultur und Industrie, die meist schwerste Arbeiten ausführ­ten, mit Schubkarren und Spaten ausgerüstet beim Bauen von Bahnlinien, bei der Eindämmung von Flüssen u. a. eingesetzt wurden. 49

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