Holló Szilvia Andrea: Budapester Stadtwerke - Unser Budapest (Budapest, 2010)

Fabrik; 1881 wurde beim Besuch des Thronfolgerpaares die Öffentlichkeit durch eine zeitweilige Prunkbeleuchtung mit 36 Bogenlampen beeindruckt. Der elektrische Strom hatte sich auf öffentlichem Gebiet mit Erfolg vorgestellt. Die darin verborgenen Möglichkeiten erkannte alsbald auch der Verkehr, im ge­schlossenen Raum hingegen konnte man Elektrizität zur Beleuchtung noch nicht verwenden. Dieses Problem löste die Erfindung von Edison und Swann, die 1881 auf der Pariser Weltausstellung vorgestellte Glühbirne. Die Neuigkeit wurde auch in Ungarn sofort ausprobiert, wo sonst, wenn nicht im Pester Nationaltheater! Die Erfinder wurden durch den großen Erfolg dazu angespornt, das Problem der zen­tralisierten Erzeugung und Verteilung des Stroms in kurzer Zeit zu lösen, ln den Großstädten Amerikas und Europas wurden nacheinander öffentliche Stromerzeu­geranlagen gebaut — auf dem Gebiet des damaligen Ungarn als erstes 1884 in Temeschwar (Temesvár, Timisoara, heute Rumänien), früher also als in London, Paris, Wien oder Budapest. Das Beleuchtungsproblem der Stadtteile wurde durch Wechselstrom-Generato­ren gelöst. Die Methode hatten ungarische Erfinder perfektioniert: Bei der Landes­ausstellung im Jahre 1885 stellten sie den Transformator vor, der Spannung und Stromstärke des Wechselstroms umwandelt. Diese Transformatoren begann nun die Ganz 8 Co Eisengießerei und Maschinenfabrik AG zu bauen, die die Möglichkeiten der Erfindung auch der Hauptstadt vorstellen und den Strom als Beleuchtungs­alternative zum veralteten, teuren Gas vorschlagen wollte. 1886 reichte die Firma Ganz ihren Vorschlag ein, erhielt jedoch keine Antwort. Deshalb reichte sie im Mai 1887 einen neuen Vorschlag ein: Im Laufe eines halben Jahrs würden sie die And- rássy út, den Kleinen Ring und die größeren öffentlichen Plätze mit elektrischem Strom beleuchten und zwar mit 40-50 Meter voneinander entfernten Bogenlampen, und diese zwanzig Jahre lang betreiben. Als Gegenleistung sollten die Privatver­braucher in dieser Gegend auch von ihnen mit Strom versorgt werden dürfen. Die über das Monopol der Gasbeleuchtung verfügende Leuchtgasgesellschaft prote­stierte sofort und meinte, sie könnten dies auch durchführen. Da sie jedoch dies­bezüglich noch nichts geleistet hatten, änderte die Hauptstadt 1891 den Vertrag, so dass die Konkurrenten gleiche Voraussetzungen zur Einführung alternativer Be­leuchtungsmethoden erhielten. 1892, bei den Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag der Krönung Franz Josephs zum ungarischen König, war die elegante elektrische Beleuchtung an mehreren Punkten der Stadt eine der besonderen Sehenswürdigkeiten: „An der Fassade des Zentral­31

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