Holló Szilvia Andrea: Budapester Stadtwerke - Unser Budapest (Budapest, 2010)
In der Gesellenherberge gab es 32 Schlafnischen mit Esszimmer und Gesellschaftsraum. Die Siedlung lebte ihren Alltag, zur Zeit als die Gaswerke funktionierten, wie ein kleines Dorf, die Bewohner erhielten jede notwendige Dienstleistung vor Ort: Bäckerei, Friseur, Schuster, Metzger, Lebensmittelladen, Trafik, Arztpraxis mit kostenloser ärztlicher Betreuung, Apotheke, Post und Arbeiterkasino (später Kulturhaus, dann Aquincum-Kino). In den zwanziger Jahren entstand ein Selbstbildungskreis, es gab eine Bibliothek und auch eine Fußballmannschaft. Für Kleinkinder gab es einen Kindergarten, zwischen den zwei Weltkriegen auch die Zweigstelle einer Grundschule. Die Bewohner der Siedlung verband das Selbstbewusstsein. Gaswerker sein galt als Auszeichnung, es entstanden echte Dynastien, wenn auch jeder Eintretende ganz unten in der Hierarchie, mit zwei Jahren Probezeit anfangen musste. Die Arbeiter erhielten zweiwöchentlich einen freien Samstag, von April bis Ende September konnten sie diesen jede Woche freinehmen, im Winter mussten sie dann aber jeden Samstag arbeiten, ln Notzeiten gab es billige Kartoffeln, Mehl und Brennholz. Bis 1936 erhielten sie kostenlos Gas und Koks. Zur Wohnsiedlungswohnung gehörten jedoch auch Verpflichtungen. Aus der Gärtnerei erhielten alle kostenlose Blumen, die in die Blumenkisten an den Fenstern im Stock gepflanzt wurden. Wer sich nicht um die Pflanzen kümmerte, von dem wurde angenommen, dass er auch seine Umgebung nicht in Ordnung hielt. Stellte sich dies heraus, konnte man sogar die Wohnung verlieren. Die Übergabe der Arbeiterwohnsiedlung erfolgte 1913 zwischen dem 1. Juli und dem 1. November in vier Etappen, schon in den ersten Jahren zeigte sich die Anzahl der Wohnungen als zu klein. Weiter bauen konnte man jedoch erst nach Kriegsende, als man aus dem Material des abgetragenen Franzstädter Gaskontainers zehn neue Wohnungen errichtete, was jedoch noch immer zu wenig war. Eine Fortsetzung verhinderte der Zweite Weltkrieg. Heute ist die einstige Arbeiter- und Beamtensiedlung noch immer bewohnt, in den letzten zwanzig Jahren hat jedoch mit Ausnahme des Kindergartens jede öffentliche Dienstleistung aufgehört. Gleichstrom gegen Wechselstrom Das Phänomen der Elektrizität kannte man schon in der Antike, es vergingen jedoch Jahrhunderte, bevor man sich um ihre Nutzung bemühte, die Versuche damit gehörten noch im 18. Jahrhundert zu den mystischen Salonwissenschaften. Die praktische Nutzung der Elektrizität und die Untersuchung der Auswirkungen des Stroms be29