Internationales Kulturhistorisches Symposion Mogersdorf 2007 in Kőszeg 3. bis 6. Juli 2007 (Szombathely, 2014)

Judit Klement: Die Wirtschaftselite in Ungarn in der Zwischenkriegszeit

Judit KI e m e n t (Budapest) DIE WIRTSCHAFTSELITE IN UNGARN IN DER ZWISCHENKRIEGSZEIT Der Begriff Elite kommt von dem Wissenschaftsgebiet der Soziologie, dessen Ge­brauch hat sich aber in weiten Kreisen verbreitet. Es wird sogar in der Umgangsspra­che verwendet. Aus dem unterschiedlichen Gebrauch ergibt sich ein veränderbarer Inhalt des Wortes. Im Alltagsgebrauch zum Beispiel beinhaltet dieses Wort off eine Wertung, und in wissenschaftlichen Arbeiten ist dieser Begriff bereits mehrmals und unterschiedlich definiert worden. Die Soziologie kennt mehrere Elitetheorien, zum Beispiel die von Machiavelli, Michels, Pareto, Mills, Mannheim, Marx, Aron usw.1 Die verschiedenen Theorien sehen die Basis der Machtpositionen untersiedlich, sie überlegen die Tätigkeit, die Wirkung, die Änderung, den Wechsel usw. der Elite auf andere Weise. Anhand der theoretischen Überlegungen kann man doch zu einer allgemeinen Definition kommen: die Elite stellt eine Minderheit in der gegebenen Gesellschaft dar, welche mehr Einfluss und Macht als andere Gesellschaftsgruppen hat. Die Elite kann also, dank ihrer Machtpositionen, gesellschaftliche und wirt­schaftliche usw. Abläufe entscheidend beeinflussen. Da es in allen Gesellschaften un­abhängig von der Epoche eine Führungsschicht gibt, ist der Begriff Elite nicht durch Zeit und Raum bestimmt, daher ist es auf jede Gesellschaft verwendbar. Dieser Begriff ist also nicht mit einem konkreten Gesellschaftssystem verbunden, wie zum Beispiel die Begriffe „Bürger” und „Bürgertum”. Die Bedeutung dieses Wortes kann somit von Gesellschaft zu Gesellschaft variieren. Deshalb sollen alle wissenschaftlichen For­schungen einen eigenen Inhalt ausarbeiten im Bezug darauf, was Einfluss und Macht in der gegebenen Zeit eigentlich bedeutet, wo und wie diese anfängt wichtig zu sein, wie groß die Elite in einer Gesellschaft ist. Mit der Diffenzierung der Gesellschaft ist die Differenzierung der Elite auch verbunden, in den modemen Gesellschaften wäre also preziser nicht über eine Elite, sondern über Eliten sprechen. Bei der Suche und Untersuchung der verschiedenen Elitegruppen tauchen andere Fragen auf, wie zum Beispiel inwiefern man zwischen politischen, wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Eliten unterscheiden kann? Gibt es Überlappungen, und wenn ja, welche? Ich kann in meiner kurzer Zusammenfassung diese Fragen nicht erschöpfend be­handeln. Ich versuche aber einen Überblick über die ungarischen Wirtschaftselite in der Zwischenkriegszeit zu geben. In der ungarischen Geschichtswissenschaft wird der Begriff „Wirtschaftselite” unterschiedlich verwendet. Oft ist es als Synonym für Groß­bürgertum gebraucht,2 in diesem Sinn fällt aber die Aristokratie aus, welche doch Einfluß auf das Wirtschaftsleben haben könnte. Personen mit größerem Vermögen oder Einkommen sind auch nicht identisch mit der Wirtschaftselite, ja Vermögen 74

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