Internationales Kulturhistorisches Symposion Mogersdorf 2007 in Kőszeg 3. bis 6. Juli 2007 (Szombathely, 2014)

Judit Klement: Die Wirtschaftselite in Ungarn in der Zwischenkriegszeit

und Einkommen können Folgen wichtiger Positionen sein, aber nicht unbedingt. Im Vergleich damit können wir eine wohlbegründete Definition der Wirtschaftselite bei György Lengyel finden, wer diese Gruppe in zwei verschiedenen Modellen unter­suchte.3 Beide Untersuchungen gehen von dieser Definition aus: ein Person gehört zur Wirtschaftselite, wenn er4 die Möglichkeit hat, mit persönlichen Entscheidungen und Meinungen die wirtschaftlichen Reproduktionsprozesse zu beeinflussen. Mit dieser Definition hat Lengyel die Verwendbarkeit des Begriffes erweitert, er hat es nicht an einer bestimmten Gesellschaftsguppe festgebunden (wie das Großbürgertum) und hat die den Einfluß mehr verkörperte Entscheidungposition im Vordergrund gestellt, anstatt Reichtum oder Einkommen. Die geeignete Definition ist immer der erste Schritt in der Forschung. Als zweites kommt das Probenehmen: man muß nähmlich die Definition mit Gehalt erfüllen. Lengyel bekam diesen Gehalt auch in zwei ver­schiedenen Weisen. In seiner ersten Untersuchung nahm er eine Reputationsprobe.5 Die Reputationsprobe stammte aus dem Ungarischen Biographischen Lexikon, aus welchem die der Definition entsprechenden Personen einzelweise ausgewählt wur­den. Würden wir das Ungarische Biographische Lexikon als Quelle einer solchen Re­putationsprobe akzeptieren, obwohl vielleicht die ursprünglichen Absichten des Lexikons nicht eben die Wirtschaftspersönlichkeiten ins Zentrum zückten, gibt es immer noch ein Problem bei den einzelnen Überlegungen in der Frage, wer zur Wirt- schafiselite zählte und wer nicht. Die einzelne Überlegung ist kein exakter Stand­punkt. Nach solchen kritischen Meinungen wurde daher ein zweite Probenehmen gemacht, in dem schon die erfüllte Position der Ausgangspunkt war, vorausgesetzt daß die gegebene Position Entscheidungkompetenz bedeutete.6 Lengyel wählte drei Probejahre von der Zwischenkriegszeit aus und bestimmte die exakte Parameter für die Wirtschaftsinstitutionen und Unternehmen, auf Grund welchen die Gruppe der untersuchungswürdige Institutionen zusammengestellt wurde. (Zum Beispiel Banken und Unternehmen mit bestimmten Kapitalanlagen kamen zur Probe.) Im zweiten Schritt stellte er die wichtigen Positionen in gewählten Institutionen fest und sam­melte die Personen zusammen, die diese Positionen in bestimmten Jahren versahen. Sem Ziel war die Untersuchung einer Multipositionalelite, daher nahm er nur die mindestens über drei verschiedene Pozitionen verfügtene Persönlichkeiten. Im fol­genden fasse ich zusammen, was über die ungarische Wirtschaftselite in der Zwi­schenkriegszeit anhand dieser zwei umfassenden Untersuchungen von György Len­gyel und andere Teilforschungen zu wissen ist. Hinsichtlich der ethnisch-religiösen Zusammensetzung ist eine weit verbreitete Meinung die Überreprezentation der Juden in der Wirtschaftselite. Nach quan­titativen Untersuchungen kann man feststellen, daß obwohl das Judentum im Vergleich zur ihrem Prozentsatz in der Bevölkerung, was ungefähr 6% war, in der Wirtschaftselite überrepräsentiert war, der jüdische Anteil an der Elite sich höchstens um 30% bewegte.7 75

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