Internationales Kulturhistorisches Symposion Mogersdorf 2007 in Kőszeg 3. bis 6. Juli 2007 (Szombathely, 2014)

Andrej Pančur: Eliten des Wirtschaftslebens im slowenischen Raum

wenigstens slawischer) Aktionäre und sind sie nicht von national engagierten Slo­wenen (oder Slawen) verwaltet wurden, waren sie automatisch fremde, der slowe­nischen Nation feindlich gesonnene Unternehmen. Die slowenische Nationalelite war fast besessen von einer slowenischen Wirt­schaft, die in den Händen national engagierter Slowenen sein sollte und erklärte daher auch diejenigen Vertreter der Wirtschaftselite zu Fremden, die in national unbelasteten Verhältnissen ohne größere Probleme als Einheimische gegolten hät­ten. Mit den nationalen Differenzierungsprozessen landete der Großteil der Wirt­schaftselite im deutschen nationalen Lager. Anfangs war nämlich das Deutschtum ethnisch wesentlich offener und die national noch nicht vollkommen festgelegte Wirtschaftselite war fest verankert in der dominanten deutschen Kultur- und Ge­schäftswelt. Die Generationen, die familiär und geschäftlich in der entstehenden deutschen nationalen Welt eingebunden waren, übernahmen meist auch selber schnell das deutsche Nationalbewusstsein. Im Zeitalter der Nationswerdung wur­den so die Wirtschaftseliten schließlich zwingend auch nationale. Weil die slowenische Nationalelite sich hoffnungslos nach einer national enga­gierten slowenischen Wirtschaftselite sehnte, die die slowenische nationale Wirt­schaft verwalten würde, begann sie schließlich selber die Grundlage für eine solche zu schaffen. Den Schwerpunkt ihrer Energie lenkten sie dabei in den Ausbau eines slowenischen Bankwesens. Ab den siebziger Jahren baute sie ein immer weit ver­zweigteres Netz slowenischer Vorschusskassen aus. Obwohl sie diese Vorschusskas­sen auch aus wirtschaftlichen Gründen errichtete, standen die nationalen häufig im Vordergrund. Erst in den neunziger Jahren begann das slowenische katholische politische Lager, Vorschusskassen aus primär wirtschaftlichen Erwägungen zu gründen. Gleichzeitig war der Bedarf nach slowenischen Sparkassen und Banken immer deutlicher und sie wurden auch zügig gegründet.68 Bis zum Untergang der Habsburgermonarchie gelang es so der slowenischen Nationalelite, einen starken slowenischen Banksektor zu schaffen, der mit dem deutschen konkurrierte. Jedoch entstand so auch eine slowenische Wirtschaftselite (z.B. Mihael Vosnjak, Semec, Krek, Hribar), die in erster Linie zwar eine politische war, die jedoch mit der ein­heimischen deutschen Wirtschaftselite nichts gemeinsam haben wollte. Genossenschaften und Aktiengesellschaften waren in den Augen der slowe­nischen Nationalelite eine durchaus geeignete Form wirtschaftlicher Aktivitäten, konnten doch so sehr wirksam kleine Kapitalmengen einzelner Slowenen zusam­men gelegt werden. Da die slowenische Nationalelite mehrheitlich die Wirtschafts­elite als der Nation gegenüber feindliche Ausländer ansah, waren in ihren Augen ebenso Wohlhabende per se verhasste Ausländer, die die slowenische Nation nur wirtschaftlich ausbeuten wollten. Die Wirtschaftselite verurteilten sie daher nicht nur aus nationalen Gründen sondern immer häufiger auch aus sozialen. Selbst 67

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