Internationales Kulturhistorisches Symposion Mogersdorf 2007 in Kőszeg 3. bis 6. Juli 2007 (Szombathely, 2014)
Andrej Pančur: Eliten des Wirtschaftslebens im slowenischen Raum
slowenische liberale Politiker, die sich als Vertreter des slowenischen Besitzbürgertums sahen, wollten in der Öffentlichkeit nicht den Eindruck erwecken, sie unterstützten die Interessen der Reichen.69 Aber die, um eine glaubwürdige wirtschaftliche Emanzipation bemühte, slowenische Nationalbewegung war gezwungen, in ihre Reihen auch wohlhabende national bewusste Personen zu integrieren. Deshalb forderten slowenische nationale Politiker aus dem ansonsten eher deutschen Celje slowenische Händler, Gewerbetreibende und Industrielle aus anderen slowenischen Orten herzlich dazu auf, sich in ihrer unmittelbaren Nähe niederzulassen. Der slowenische Handel und das Gewerbe festigten sich schließlich immer, doch verstärkte sich damit auch der wirtschaftliche Kampf zwischen beiden Nationen. Peter Majdic, aus einer bekannten Krainer Untemehmer- familie, stieg zu einem der einflussreichsten Industriellen der Untersteiermark auf.70 Dieser schnelle Aufstieg der slowenischen Wirtschaftselite erlebten die Deutschen immer stärke als Provokation. Als z.B. Majdic im Jahr 1900 noch seinen Eisengroßhandel Merkur eröffnete und bei dieser Gelegenheit der deutschen Stadtgemeinde für die Armen 200 Kronen schenkte, hat Julius Rakusch, der deutsche Besitzer eines Eisenwarengeschäfts, der Gemeinde eine einmal höhere Summe versprochen, sofern sie das Geschenk von Majdic ablehnte.71 Andererseits bemühten sich aber auch die Deutschen in Celje weitere deutsche Geschäftsleute, die bereit wären für deutsche nationale Interessen zu arbeiten, anzulocken. In der slowenischen Umgebung von Celje hat so der aus Deutschland zugewanderte Adolf Westen im Jahr 1896 eine erfolgreiche Fabrik für Emaillegeschirr gegründet und stieg bald zu einem der reichsten Industriellen in Slowenien auf.72 Ähnlich gelang es dem bereits erwähnten Fabrikanten Franz Xaver Woschnnag gemeinsam mit seinem Sohn Hans schließlich, den wirtschaftlich nicht so geschickten Cousin Ivan Vosnjak aus Soitanj zu verdrängen.73 Trotz dieser und vieler anderer bekannter Beispiele des wirtschaftlichen Kampfes zwischen den Vertretern verschiedener nationaler Wirtschaftseliten, haben diese dennoch in Zeiten immer schärferer nationaler Auseinandersetzungen häufig eng zusammengearbeitet. Ein slowenischer Industrieller kaufte z.B. Rohstoffe bei einem italienischen und deutschen Importeur, die Kredite nahm er bei einem deutschen und tschechischen Bankier auf, seine Produkte verkaufte er ebenso slowenischen wie auch deutschen, tschechischen, ungarischen und anderen Konsumenten. Aufgrund nationaler Konflikte waren ehrgeizige und erfolgreiche Unternehmer, die in der gesamten Habsburgermonarchie Geschäfte machen wollten, immer stärker gezwungen, ihre Geschäfte lokalen nationalen Verhältnissen anzupassen. Jedoch nur in einigen national gemischten Gegenden, wo sich beide nationalen Lager bis aufs Messer bekämpften, schloss die geschäftliche Zusammenarbeit mit der einen Seite automatisch eine mit der anderen Seite aus.74 Obwohl also die Wirtschaftselite in slowenischen Ländern geschäftlich, gesellschaftlich und nicht zuletzt verwandtschaftlich eine viel einheitlichere Schicht 68