Internationales Kulturhistorisches Symposion Mogersdorf 2007 in Kőszeg 3. bis 6. Juli 2007 (Szombathely, 2014)

Andrej Pančur: Eliten des Wirtschaftslebens im slowenischen Raum

war aus vollkommen funktionalen Gründen, der Sprache der mehrheitlich slowe­nischen bäuerlichen Umgebung um einiges kundiger.50 Dabei bestanden jedoch auch gewisse regionale Unterschiede. Im Unterschied zur mehrheitlich deutsch­sprachigen Steiermark war Slowenisch im überwiegend slowenischsprachigen Krain als so genannte »Krainer Sprache« auch ein Baustein des Landesbewusst­seins.51 Andererseits waren die beiden größten Städte (Maribor/Marburg an der Drau, Ptuj/Pettau) der Untersteiermark aufgrund kontinuierlicher Zuwanderung erheblicher deutschsprachiger Bevölkerungsgruppen vorwiegend deutschsprachig. Mittelgroße Städte (Celje/Cilli, Slovenska Bistrica/Windischfeistritz und Slovenj Gradec/Windischgraz) waren eher zweisprachig, nur die kleinsten Städte waren fast völlig slowenischsprachig. Im Gegensatz dazu spiegelten die Städte in Krain das sprachliche Bild ihrer Umgebung wider und waren primär slowenischsprachig. Nur die größte Stadt Ljubljana/Laibach war vorwiegend zweisprachig. In allen diesen Städten war das (Kanzlei) deutsch zwar die Sprache der Justiz und Verwaltung, aber trotzdem waren auch die höheren Bevölkerungsschichten, die im Alltags- und Geschäftsleben mit den slowenischsprachigen unteren Schichten in Kontakt stan­den, fast zwingend zweisprachig. Erst ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, mit der Durchsetzung des Neuhochdeutschs als Amts- und Landessprache,52 er­hielten Deutschkenntnisse immer mehr eine ausgesprochen soziale Konnotation.53 Die deutsche Sprache wurde in Städten zum abgrenzenden Symbol des Bürger­tums gegenüber der slowenischsprachigen bäuerliche Bevölkerung der Umgebung. Deshalb übernahm die slowenischsprachige Bevölkerung bei ihrer Ankunft in der Stadt als ein äußerliches Zeichen ihres gesellschaftlichen Aufstieges im Laufe der Zeit auch die deutsche Sprache. Vorher meist deutschsprachige Städte wurden so immer deutscher, in vorher zumeist zweisprachigen und vorwiegend slowenisch­sprachigen Städte dominierte bald immer mehr das Deutsche. Die höheren Gesell­schaftsschichten gehörten ohnehin deutschen oder italienischen Kulturkreisen an. Aber ebenso wie in früheren Jahrhunderten mussten der Adel und das Bürgertum in der Alltags- und Geschäftskommunikation den lokalen slowenischen Dialekt benutzen. Der Großteil des Besitzbürgertums, dass sich sein Vermögen auch durch Geschäfte mit der mehrheitlich slowenischsprachigen Umgebung erwirtschaftet hatte, war folglich zweisprachig.54 Der slowenische Rechtsanwalt, Politiker und Wirtschaftsführer Josip Semec (1844-1925), Kind einer vermögenden bürgerlichen Familie in Slovenska Bistrica, erinnerte sich an das Verhältnis zu Sprachen in seiner Kindheit wie folgt: »Mein Vater sprach flüssig Slowenisch, auch meine Mutter konnte beide Sprachen, jedoch mischte sie in unsere Sprache Germanismen, wie es bei denen aus Maribor in dieser Zeit üblich war. Zu Hause mit den Kindern sprachen die Eltern jedoch Deutsch. Slo­wenisch lernten wir soviel, wie es im Umgang mit dem Gesinde und mit den bäuer­lichen Schulkameraden möglich war.«55 Ähnlich erinnerte sich an seine Kindheit im 64

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