Internationales Kulturhistorisches Symposion Mogersdorf 2007 in Kőszeg 3. bis 6. Juli 2007 (Szombathely, 2014)

Andrej Pančur: Eliten des Wirtschaftslebens im slowenischen Raum

Kreis einer vermögenden bürgerlichen Familie in Sostanj/Schönstein auch der slo­wenische Arzt, Politiker und Schriftstellter Josip Vosnjak (1834-1911): »In unserem Flaus haben wir untereinander normalerweise Deutsch gesprochen, doch wir konn­ten auch slowenisch. Wir fühlten uns weder als Deutsche noch als Slowenen.«56 Ein modernes slowenisches Nationalbewusstsein entwickelte sich erst im letz­ten Drittel des 18. Jahrhunderts, doch hat es sich dann langsam aber beharrlich ausgebreitet. Seine Anhänger fand es vor allem unter dem Klerus und den Intel­lektuellen, die zahlreicher dank des modernen Schulsystems ausgebildet worden waren. Parallel dazu entwickelte sich auch das moderne deutsche (und italieni­sche) Nationalbewusstsein. Bei der Festlegung auf die eine oder andere nationale Zugehörigkeit waren die Herkunft und Muttersprache alleine nicht immer die ent­scheidenden Faktoren. Aufgrund der damaligen gesellschaftlichen Sprachhierar- chie und der traditionellen Orientierung am deutschen Kulturraum haben sich viele, die nach Herkunft und Muttersprache Slowenen waren, als Deutsche defi­niert. Dieser Prozess war in Städten und unter den höheren Schichten, aus denen die Wirtschaftselite dieser Länder stammte, besonders ausgeprägt. Mit Beginn des Konstitutionalismus und der Bildung politischer Lager in den sechziger und sieb­ziger Jahren des 19. Jahrhunderts hat sich der Prozess zur Festlegung auf eine slo­wenische oder deutsche Nationalität erheblich beschleunigt und alle gesellschaft­lichen Schichten erfasst. Mit Entstehung eines slowenischen politischen Lagers wurde die nationale Zugehörigkeit immer mehr auch eine Frage der Politik. Weil Slowenen die nationale Zugehörigkeit mit der Herkunft und Muttersprache be­gründeten, haben sie alle diejenigen, die sich aufgrund unterschiedlichster Ideen, persönlicher und materieller Gründe nicht dem slowenischen Lager anschlossen, zu Deutschtümlern und nationalen Verrätern erklärt. Diese hassten sie fast noch mehr, als die ihrer Meinung nach echten Deutschen, deren Herkunft und Mutter­sprache Deutsch waren.57 Im Gegensatz zu den Slowenen haben eher liberal orien­tierte Deutsche die nationale Zugehörigkeit mit der freien Entscheidung eines je­den Einzelnen begründet, wobei mit der Annahme der deutschen bürgerlichen Kultur auch die Übernahme einer deutsche Identität einher ging.58 Neben national schon völlig eindeutigen Slowenen und Deutschen verspürten viele andere, noch lange keine Notwendigkeit sich national festzulegen. Bei ihnen überwogen noch immer ein Bewusstsein orientiert an dynastischen, landes und lo­kalen Identitäten sowie ein Bewusstsein von Standes- und Schichtszugehörigkeit und kulturellen Präferenzen. Den bereits oben erwähnten Grafen Hohenwart kön­nen wir daher nur bedingt als Deutschen bezeichnen, sondern stattdessen vielmehr als Österreicher und Krainer, dessen Umgangssprache in erster Linie Deutsch war, doch beherrschte er bis zu einem bestimmten Grad auch die zweite Landesspra­che.59 Schwer war eine nationale Einordnung auch bei Vertretern der Wirtschafts­elite, die ihr Leben nahezu ausschließlich der Wirtschaft widmeten und sich kaum 65

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