Ferenc József: Kleiner Unitarier-Spiegel. Kurzer inbegriff der geschichte, der dogmen, der kirchenverfassung und der ceremonien der unitarier-kirche (Bécs, 1879)
IV. Ceremonien - 7. Das Begräbnisz
84 Unitarier Spiegel. Beerdiget der Geistliche nur mit Gebet, so betet er im Trauerhause — oder in dem Hofe desselben bei den Füszen des Dahingeschiedenen stehend — wenn Gesang da ist, nachdem Absingen einiger Versstrofen, — wenn nicht gesungen wird ohne etwas Anderes abzuwarten — ein predigtmässziges Gebet, welches er mit dem Vaterunser schlieszt. — Hierauf wird — wenn Gesang da ist — abermals gesungen. Hat der Geistliche auch zu predigen, so kann er die Predigt als Einleitung des Gottesdienstes halten und wird sie dem Gebete vorangehen lassen ; ist sie aber weitläufiger, ausgearbeitet oder gar auf einen aus der h. Schrift hergeliehenen Texte gegründet, — so folgt sie dem Gebete. Die Verabschiedung hat stets am Ende der Predigt zu erfolgen ; weil sie ja dem Gebete nicht anpassend ist. An manchen Orten ist auch die durch Cantores ge sangweise abzuhaltende Verabschiedung gebräuchlich. An manchen Orten wird der Verstorbene in die Vorhalle der Eiche gebracht und der trauerliche Gottesdienst in der Kirche abgehalten. An einigen Orten wieder ist es Sitte, dasz der Geistliche selbst bei der Sarglegung zum Beten und zum Predigen gerufen wird. Bei dem Grabe wird der Regel nach nur gesungen ;— hie und da gibt es auch einige Abschiedsworte ; — Grabreden werden selten gehalten. Die Beerdigungs-Ceremonien sind— im Ganzen genommen — den Gebräuchen des Ortes und den Verhältnissen angemessen sehr verschieden. — Es gibt Orte wo die Leichen der Älteren und Verdienstvolleren unter Mitwirkung von zwei Geistlichen beerdiget werden ; kleine Kinder hingegen zuweilen nur mit Gesang bestattet werden ; ja in den Städten wird der Geistliche zur Bestattung kleinerer Kinder — namentlich der Säuglinge — schon gar nicht gerufen. Audi der Geistliche begleitet den Verblichenen in den Friedhof; er geht ihm eigentlich mit dem Cantor, mit den