Ferenc József: Kleiner Unitarier-Spiegel. Kurzer inbegriff der geschichte, der dogmen, der kirchenverfassung und der ceremonien der unitarier-kirche (Bécs, 1879)

IV. Ceremonien - 1. Der öffentliche Gottesdienst

68 Unitarier Spiegel. Sonn- und anderen Feiertagen, wenn da sind, mit mehreren Glocken der Art geläutet, dasz inerst nur die einzelnen an­geläutet werden ; ist indesz nur eine einzige Glocke da, so werden mit dieser Einen zwei oder drei Weisen geläutet; wo es endlich gar keine Glocke gibt—werden die Gläubi­gen durch einen Kirchenboten oder durch eine regulirte Uhr zusammenberufen.— An Wochen Werktagen wird in der frü­hen Morgenstunde und zur Abenddämmerungszeit geläutet; an Sonn- und anderen Feiertagen wird vormittags zwischen 10 und 11— nachmittags zwischen 2 und 3 Uhr öffentli­cher Gottesdienst gehalten. — An Wochenwerktagen ist je­doch der zweimalige Kirchenbesuch nicht überall gebräuch­lich ; ebenso ist es an manchen Orten Sitte die Kirche wö­chentlich nur zwei- oder dreimal, an bestimmten Tagen, zu besuchen. — In dieser Beziehung sind die Ortsgebräuche maszgebend. — Manchenorts ist auch das Morgen- und das Abendgeläute gebraäuchlich. An Sonn- und Feiertagen wird in den meisten Kirchen gelegenheitlich des nachmittägigen Gottesdienstes Statt der Predigt die Bibel gelesen und auseinander gesetzt; an sonst stimmt der nachmittägige Gottesdienst mit dem vormittägi­gen überein. Öffentliche Ankündigungen, als da sind : Ehekündigung, Leichenbestattung, Aufforderung zu milden Gaben u. a. d. gl. werden durch den Geistlichen von der Katheder aus nach dem Vater unser — oder nach dem Nachgebete bewirkt. Während des Gebetes stehen die Versammelten auf;— die Frauen bleiben indesz an manchen Orten sitzend und beugen sich blosz über Brustlehne des Stuhles; beim Lesen der Epistel stehen aber auch diese auf. Die Predigt wird bis zu Ende sitzend angehört. — In der Zwischenzeit aus— und ein zu gehen ist és nicht Sitte ; und Jeder, der es nur thun kann , bestrebt sich zum Anfänge des Gottesdienstes schon in der Kirche zu erscheinen. Die Natur der Sache bringt es mit sich, dasz der Geist­liche und der Cantor die verschiedenen Gelegenheiten, an denen der Gottesdienst abgehalten wird, zu berücksichtigen haben. — In dieser Beziehung ist vor Augen zuhalten der Morgen und der Abend, so wie auch die verschiedenen

Next

/
Thumbnails
Contents