Ferenc József: Kleiner Unitarier-Spiegel. Kurzer inbegriff der geschichte, der dogmen, der kirchenverfassung und der ceremonien der unitarier-kirche (Bécs, 1879)
IV. Ceremonien - 2. Die Taufe
Ceremoneien. 69 Jahreszeiten, — vorzüglich aber die Feiertage ; als da sind : die Weihnachten, die Ostern, die Pfingsten; deren jede für sich je drei Tage — ferner der Gründonnerstag, der Charfreitag und der erste Tag des neuen Jahres, deren Jeder einen Tag hindurch gefeiert wird.— Je gröszer die Harmonie zwischen der Ändachtzeit und dem Gegenstände des Festes— zwischen Gesang, Gebet und Predigt — desto mehr entsprechen sie dem Zwecke des Gottesdienstes, — desto wohlthätigeren Einflusz üben sie auf die zur Andacht versammelten Gläubigen. Anmerkung. Die Unitarier-Kirche hält principiel nur den gemeinschaftlichen Gottesdienst mit den Erfordernissen des religiösen Lebens vereinbar; schlieszt indesz auch den privaten Gottesdienst nicht aus—und cs dürfen Jene, die an dem öffentlichen Gottesdiense keinen Theil nehmen können, als da sind — die Kranken, die Alterschwachen, die von der Kirchen-Gemeinde fern Lebenden, auch privaten Gottesdienst in ihrer eigenen Behausung abhalten zu lassen. — Die Art und Weise des privaten Gottesdienstes stimmt in allem mit der Art und Weise des öffentlichen Gottesdienstes überein; — der Gesang darf aber—je nach Umständen — auch unterbleiben. 2. Die Taufe. Das Taufen als äuszeres Zeichen der Aufnahme in den Verband der christlichen Kirche, wird auch in der Unitarier-Kirche ausgeübt. — Die Taufe ist sohin nur das äuszere Zeichen des Christ-Seiens — und nicht das Wiesen desselben , als ob die Taufe den Menschen zum Christen machen würde; — demi — wie auch der Apostel sagt: „Ist der Stamm heilig, so sind auch die Zweige heilig“; — mit anderen Worten: Die Kinder der Christen sind auch Christen.— Indesz eben so, wie auch Jesus, der Herr, sich der Taufe Johannis des Täufers zum Zeichen seines in Reinheit und Heiligkeit Verbleibens unterzogen hat, — so lassen auch wir unsere Kinder zum Zeichen dessen taufen, dasz wir die Lehre Jesus, des Herrn, für heilig und wahr haltend - auch unsere Kinder in derselben d. i. in reinem, mildthätigen, frommen und unbescholten — christlichem Leben unterrichten und erziehen wollen.