Szemészet, 1910 (47. évfolyam, 1-4. szám)
1910-05-08 / 1. szám
115 ordentlich heftig aufregend oder lähmend wirken. In manchen Spirituosen finden sich auch viele Zusätze anderer Art vor, wie Aldehyde, Furfurol, Bitterstoffe usw. Dies ist die Ursache, dass gerade diese präparierten Spirituosen die verderblichste Wirkung verursachen und dieser Umstand erklärt es, dass in Deutschland die meisten auf Alkohol-Amblyopie bezüglichen Wahrnehmungen, beispielsweise aus jenen Gegenden stammen, wo der Alkohol hauptsächlich in Form von Branntweinen oder Wein genossen wird, während die Autoren in den biertrinkenden Gegenden wenig derartige Erfahrungen sammeln konnten. Welch geringe Menge von Methylalkohol genügt, um die verderblichste Wirkung auszuüben, wird durch die folgenden Beispiele lebhaft illustriert: Ein Patient Kuhnts, der einen einzigen Schluck mit Kornbranntwein stark verdünnten Methylalkohols trank, erblindete nach einigen Tagen vollkommen, wenn auch sein Augenlicht sich zufolge der sofort in energischester Weise vorgenommenen Behandlung beinahe vollkommen wiedereingestellt wurde. Zwei Patienten verloren ihr Augenlicht dadurch, dass sie die Dämpfe 50% Methylalkohol enthaltenden „Kolumbiaspirituses“ längere Zeit hindurch einatmeten. Schon zwei Wochen nach der Vergiftung waren die Papillen weiss. Ein Mann reinigte in geschlossenem Raum alte Möbel mit Methylalkohol. Nach fünf Tagen trat die Amaurose ein. Bei unseren Fällen verursachten gleichfalls sehr geringe Mengen ausserordentliche schwere funktionelle und anatomische Veränderungen, welch letztere sich in der teilweisen oder vollkommenen Entfärbung der Papillen manifestierten. Die von unseren Patienten in Form von Branntwein oder Rum genossenen Mengen bewegen sich zwischen 10 und 30 cm3. Es ist zu bemerken, dass die ausgeübte Wirkung, obwohl dieselbe immer eine sehr schwere war, zu der in den Organismus eingeführten Menge des Giftes nicht immer in Proportion stand. Es ist interessant hervorzuheben, dass unter den 9 Kranken zwei Frauen waren, welche die grösste Menge an Rum getrunken hatten und bei denen auch die Veränderung beiläufig die tiefgehendste war. Der Zeitpunkt des Eintrittes der Wirkung hängt hauptsächlich von der Menge des aufgesaugten Methylalkohols, aber auch von individuellen Umständen ab. Nach den Daten der Literatur wechselte derselbe zwischen einem und sechs Tagen. Bei unseren Fällen trat der Verlust des Augenlichtes bei einem Patienten 24, bei einem anderen 36 Stunden, bei zweien 2 Tage, bei weiteren zweien 3 Tage, bei einem 4 Tage und bei zweien nach genau nicht bestimmbarer, jedoch ebenfalls kurzer Zeit nach dem Genuss des verderbensbringenden Getränkes ein. Es wurden Versuche angestellt, um festzustellen, welche anatomische und mikroskopisch nachweisbare Veränderung der Methylalkohol eigentlich hervorruft. Man vergiftete Kaninchen, Hühner, später Hunde und Affen und machte folgende Erfahrung: Die in den Ganglienzellen der Retina vorhandenen Chromatinschollen verlieren ihre scharfe Abgrenzung, das ganze Protoplasma, gleichwie der Kern werden verwaschen und schrumpfen zusammen, später treten in der Zelle Vacuolen auf, die langsam wachsen. In diesem Stadium zeigen die anderen Teile der Retina kaum irgend eine pathologische Veränderung, so dass diese krankhafte Veränderung der Ganglienzellen unmittelbar der Einwirkung von Giftstoffen zuzuschreiben ist. Bei vorgeschrittenem 8*