Szemészet, 1910 (47. évfolyam, 1-4. szám)

1910-05-08 / 1. szám

116 Prozess tritt vorerst die Degeneration der inneren und nachher der äusseren Schicht der Membrana granulosa ein und auch die anderen Schichten der Netzhaut werden ödematös durchtränkt. Die Untersuchung des Sehnerves führten zum Resultat, dass Nerven­fasern, hauptsächlich auf der temporalen Seite, in einem zirka 5 mm. langen Abschnitt vom Augapfel gerechnet zerfielen, so dass der Gedanke nahe liegt, dass hier gleich wie bei dem Menschen, bei chronischer Alkoholamblyopie zuerst und hauptsächlich die Fasern des Papillomacular-Faszikels erkranken. Ebendaraus folgt auch, dass der Methylalkohol in erster Reihe die Nervenzellen der Retina angreift und dass sich hier an nur in sekundärer Weise die Degeneration einer gewissen Gruppe der Nervenfasern anschliesst. Was den weiteren klini­schen Verlauf und die Prognose der Krankheit anbelangt, können wir leider nur soviel sagen, dass — obwohl es in einem einzigen Falle (Kulint) vorkam, dass der Betreffende sein Sehvermögen wiedererlangte, — alle bisher bekanntgegebenen Methylalkohol-Vergiftungen, nach gerin­ger Besserung transitorischen Charakters, zu vollständiger und bleibender Erblindung führten, deren anatomisches Substrat sich in der Entfärbung der Papillen manifestierte. Auch bei jenen unserer Kranken, die längere Zeit hindurch unter unserer Beobachtung standen, oder die wir nach Ablauf einiger Wochen wiederholt zu untersuchen Gelegenheit hatten, machten wir die Erfahrung, dass die sich anfangs in deren äusseren Hälfte zeigende Entfärbung der Papillen, sich langsam auf den ganzen Sehnervenkopf erstreckte und diese langsame, jedoch stetige Atrophie des Sehnerven wies auf den temporären Charakter der Besserung des Sehvermögens hin. Noch ungünstiger gestaltet sich die Prognose durch den Umstand, dass zufolge der Vergiftung der Tod verhältnismässig häufig eintritt. Als zweckmässigste Behandlung erscheint die Durchwaschung des Organismus und die dadurch bewirkte Entfernung des Giftes, die ener­gische und konsequente Forcierung der Diaphorese und Diurese, die erstere z. B. durch Jacquetsche Einwickelungen oder warme Bäder und eventuelle Verabreichung von Pilocarpin, letztere durch Anwendung von Diureticis. Zu beiden gehört auch teils der Ersatz des Flüssigkeitsverlustes, teils die Verabreichung von Wasser in grosser Quantität behufs Ver­dünnung des Giftes. Bei weiter vorgeschrittenen Fällen, wo schon schwere ophthalmoskopische Veränderungen eingetreten sind, ist jede Behandlung vergeblich und überflüssig.

Next

/
Thumbnails
Contents