Szemészet, 1910 (47. évfolyam, 1-4. szám)
1910-05-08 / 1. szám
86 die Abbildung auf Figur 5 zur Anschauung. Man erkennt zunächst eine verhältnismässig grosse, leicht eiförmige Kugel, bestehend aus einer glashellen Grundsubstanz, in welche in nahezu absolut gleichbleibenden Abständen von einander eine Unzahl mit Eosinazur unzweifelhaft rotgefärbter, ausserordentlich kleiner (zirka Vo cm3 in Durchmesser haltender) und meistens in Gruppen zu zweien angeordneter Kugeln eingebettet ist. Daneben bemerkt man noch besonders in der Peripherie der grossen Kugel spärliche feine, wie Rauchwolken zerstiebende Züge einer blauen Substanz. Entsprechend dem körperlichen Habitus des ganzen Gebildes sieht man bei gleichbleibender optischer Einstellung nur eine Anzahl roter Kugeln gleichmässig scharf und von gleicher Grössenordnung. Bei d ist der Trachomkörper geplatzt, und sieht man hier einzelne Doppelkügelchen über die Zellgrenze hinaustreten. Besonders in frischen Fällen sieht man nun ein reichliches Auftreten von Kügelchen im Cytoplasma von sonst keinerlei weiteren abnormen Befund aufweisenden Epithelzellen, welche Kügelchen sich nach Giemsa deutlich rot färben und, wie mit absoluter Bestimmtheit gesagt werden kann, weder Coccen, noch — in der Regel unregelmässig geformten und unter sich variable Grössenverhältnisse aufweisenden — Sekretkörnchen entsprechen. Es handelt sich hier um die von Greeif beschriebenen und wiederholt abgebildeten Elemente, so dass auf eine weitere Abbildung derselben hier an dieser Stelle verzichtet werden kann, welche den aus den reifen Trachomkörpern frei gewordenen Elementarorganismen entsprechen und die Infektion von bis dahin intakten Epithelzellen bewirken. Bemerkenswert ist noch die auf Fig. 5 plastisch wiedergegebene Formveränderung des Kernes, die sich nach zwei Richtungen hin, einmal als napfförmige Abplattung, sodann als ballonartige Auftreibung des ganzen Kernes äussert. Dass es sich nun bezüglich der bisher beschriebenen Befunde nicht um nur vereinzelte und ausnahmsweise anzutreffende Zufalls- und Nebenbefunde handelt, sondern dass vielmehr, sobald es in geeigneten Fällen zusammenhängende Epithelinseln zur Untersuchung zu bekommen gelingt, sich dann der grösste Teil der Epithelzellen ergriffen zeigt, so dass man dann Bilder erhält, wie sie tatsächlich der Annahme einer allgemeinen Epithelinfektion bezw. infektiösen Epithelerkrankung entsprechen, das gelangt auf der Abbildung Fig. 6 wohl zur deutlichsten Anschauung, auf welcher in einem Komplex von 11 Epithelzellen nicht weniger als 5 Kerne mit Trachomkörpern besetzt erscheinen, darunter in einem Falle (bei a) mit zweien. Zwei Trachomkörper (c u. d) sind — dem Anscheine nach beim Ausstreichen — geplatzt. Während bei c) die Hauptmasse des Körpers noch auf dem Kern sitzen geblieben ist, ist bei d) die grosse Mehrzahl der nach Giemsa deutlich rot gefärbten, mit einem hellen Hof nicht umgebenen Elementarorganismen weit in die Umgebung disseminiert und gibt nur noch ein eben wahrnehmbarer Kontur auf dem Kern bei d) Aufschluss über den ursprünglichen Sitz des Trachomkörpers. Angesichts eines solchen Bildes dürfte es klar sein, dass man die Vorstellung aufgeben muss, es könnte sich bezüglich der Trachomkörper nur um zufällige, gelegentliche Nebenbefunde handeln. Es erhellt daraus aber auch die Bedeutung der Untersuchung eines grösseren zusammenhängenden Areales für die Beurteilung des Sach-