Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

I. TEIL. Der Führer durch die Ausstellung. Von Dr. Adolf Stengl, k. k. Forstrat

Der Führer durch die FJusftellung. Huf der vor dem Schlöffe gelegenen Infel befand ficb das Ausftellungscafé Collini, von deffen Terraffe ficb dem Befucber ein prächtiger Blick auf den Teich und die an demfelben liegenden Bauten, die Feft­ftraße und die impofante Rotun­Jagdhütte »Tusculum«, Syftem Scheffel. de bot. Beim Eingang in das Mürz­fteger Schloß vorbei führte ein Fußweg mit Verbindungsfteg über die Zufabrtsftraße zum Nordpor­tale der Rotunde nach dem Aus­ftellungsterritorium der Pferde­zucbtfektion, wo ein Teil der tem­porären Ausftellungen abgebalten worden ift. Vom Jagdfcbloffe in nördlicher Richtung, die Scbloßrampe berun­terfteigend, gelangte man vorerft Jagdhütte »Tusculum«. Das Objekt beftand aus einer Anzahl von Elementen, von denen keines mehr als 45 Kilogramm wog und infolgedeffen auch für den Transport im Gebirge geeignet war, während feine Konftruktion das Aufftellen und Auseinander­nehmen felbft durch Laien inner­halb weniger Stunden ermöglichte. Als Ifolierungsmaterial für die Außenwände war Korkftein ver­zur transportablen wendet, wodurch die Hütte angefichts der Eigenfcbaft der Maffe, ein fcblecbter Wärmeleiter zu fein, auch für den Winter benütjbar wurde. Einige Schritte weiter, vom Hauptkommunikationswege etwas abgerückt, ftand der Pavillon von Bosnien und der Herzegowina. Derfelbe, entworfen in der Bauabteilung der Landesregierung in Sarajevo (Architekt Knopfmacher), lehnte ficb in der Bauart an das Haus eines bosnifcben Begs mobammeda­nifcben Bekenntniffes an. Alles an ihm war originell und national; von der apart geglie­derten Faffade mit ihren Erkern, dem vorfpringenden Obergefcboffe, weit ausladendem Dache, dem Eingangstore mit der darüber befindlichen Loggia, der eigenartigen Form der Fenfter bis zum kleinften dekorativen Detail trug den Charakter des Landes. Ebenfo fein Inneres, welches nur infoferne Änderungen erfahren hat, als dies der konkrete Zweck, dem das Gebäude zu dienen hatte, erforderte. Bevor auf die in demfelben untergebrachten Ausftellungsobjekte des näheren einge­gangen wird, dürfte es nicht unangebracht fein, die jagdlichen Verhältniffe des jungen Reichslandes in Kürze zu fkizzieren, zumal diefelben trot) des vielen Intereffanten, das fie bieten, den Lefern diefes Buches vielleicht nicht ganz bekannt fein dürften. Soweit es die Gefcbichte zu erhärten vermag, bat die Jagd eigentlich erft feit der im Jahre 1463 unter Sultan Mubamed II. erfolgten Beiitynabme Bosniens und der Herzegowina durch die Osmanen dafelbft das Gepräge einer Betätigung angenommen, die von der Leiden­fchaft breiterer Volksfcbicbten beberrfcbt wird. Sowohl das erfte, in beiden Ländern gefcbicbtlicb nachweisbare Volk, die Illyrier, wie auch die darauf durch 700 Jahre berrfcbenden Römer fcbeinen die Jagd mehr als eine bloß von Einzelnen, Mächtigeren bevorzugte Betätigung angefeben zu haben. Auch als in der Herrfchaft über Bosnien und Herzegowina auf die durch die Oftgoten bereits teilweife Türfteber des Bosnifcben Haufes. verdrängten Römer vom Jabre 598 n. Chr. ab die Slawen folgten, fcheint dies in diefer Auffaffung des Weid­werkes nichts geändert zu haben. Denn der damalige Südflawe ift niemals ein leidenfchaftlicber Jäger gewefen und liebte es auf feinen Wanderzügen mehr, Ackerbau und Viehzucht zu be­treiben und nach Einbringung der gebauten Feldfrücbte wieder weiter zu ziehen, um befferes, geeigneteres Land zu finden. Dennoch muß aber auch bei den Slawen die Jagd ein be­vorzugter Zeitvertreib ihrer Anführer und anderer hervorragender Perfön­licbkeiten gewefen fein, denn auf vie­len, aus jener gefcbicbtlicb noch recht Eingangstor des Bosnifcben Haufes mit Faffadendetail. wenig erforfchten Epoche ftammenden Grabmälern find die Jagd behandelnde Skulpturen eingemeißelt, die beweifen, daß damals die Jagdbetriebe mittels Pfeil und Bogen, Lanze und Wurf­fcblinge, fowie auch mit ftarken Falken (Adlern?) und dem Jagdleoparden, be= fonders auf den Hirfcb und den Keiler, zu den beliebteften und vornebmften gezählt haben. Die Befitjnahme der Länder durch die Osmanen, bei denen Krieg und Jagd zu den Hauptbefcbäftigungen zählten, brachte infoferne eine Ände­rung in der Auffaffung der Jagdlei­denfchaft mit ficb, als der bodenftän­dige flawifch-chriftlicbe Landadel zum größten Teile zum Islam übertrat und damit auch die Lebensgewobnbeiten der nun ins Land gekommenen Bekenner diefes Glaubens annahm. Die Jagdleidenfcbaft war von da an allgemeiner, und fo ift es auch bis beute geblieben. 70

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