Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424
I. TEIL. Der Führer durch die Ausstellung. Von Dr. Adolf Stengl, k. k. Forstrat
Der Führer durch die FJusftellung. Wänden hingen altejagdfzenen darftellende Bilder,Wappen, Dokumente, darunter die Verordnung des Hrpadenkönigs Géza II. vom Jahre 1157, welche die Hnlage von Salzlecken anordnete etc. Diefe retrofpektive Sonderexpofition hatten neben zahlreichen Mitgliedern des ungarifchen Hdels be= fchickt: das ungarifche Nationalmufeum, das Székler Nationalmufeum, das Hrcbiv der königlichen Freiftadt Pozfony, der hiftorifche Verein des Komitates Mofon, das Mufeum des Komitates Sáros, das Obergymnafium in Györ u. a. Hnftoßend lag das moderne Jagdzimmer, deffen Einrichtung nach Entwürfen von Profeffor Robert Nadler im Lande ausgeführt worden ift. Moderner Komfort und Bequemlichkeit neben auserlefenem Gefcbmack und ge= diegener Husfübrung zeichneten diefes Interieur und fein Meublement aus. fius dem biftorifeben Saale gelangte man in einen Korridor, in dem auf das Wildererwefen Bezug habende Objekte, Wilderern abgenommene Waffen, Schlingen, Fallen etc. zu feben waren. Von hier aus bot fich dem Befcbauer über einen gefcbickt angeordneten Tannenwindwurf hinweg der Blick in das biologifebe Diorama. Der Korridor führte weiter neben den Bureauräumen des Husftellungskommiffärs vorbei in die Tropbäenballe zurück und von dort in die große Scbloßballe mit der Fefttreppe. Die Halle — deren Fenfter Glasmalereien nach Entwürfen von Sándor Nagy, Jagdfzenen darftellend, eingefetjt enthielten — war als Rubeplatj und Husftellungsraum zugleich gedacht und entfpreebend eingerichtet. Huf den Tifchen lagen Jagdzeitfcbriften und Bücher auf; kunftvolle Bronzen zierten den Raum. Unter diefen find befonders hervorzuheben die von Bildhauer Nikolaus Ligeti modellierten Statuetten Ihrer k. u. k. Hoheiten des durchlauebtigften Herrn Erzherzogs Jofef als Bärenjäger und der durcblaucbtigften Frau Erzherzogin Hugufta als Hirfcbjägerin. Ein plätfebernder Brunnen, geziert von einer anfpreebenden Plaftik des Bildbauers Hlois Strobl, darftellend einen am Baffin ftebenden Hund, der daraus feinen Dürft löfebt, belebte den Raum und erfrifebte die Luft. Die Wände zierten prächtige preisgekrönte Damwildfcbaufeln und eine reiche Sammlung von Mufflonfcbnecken. Der näcbfte Saal war dem modernen, auf die Jagd Bezug habenden Kunftgewerbe gewidmet, in dem eine zahlreiche und vornehme Schar ungarifeber Künftler ihre Werke zur Schau brachte. Befonders reich war diefe Abteilung vom ungarifchen Landes-Kunftgewerbe-Verein in Budapeft unddemLandeskunftgewerbeMufeum dortfelbft befcbickt. Huf den an den Wänden angebrachten Poftamenten fab man prächtige Eofin-, Grec-undMajolika-Kunftgegenftände, in mehreren Vitrinen feine Lederarbeiten, Spitzen, Stickereien und andere Erzeugniffe der Hausinduftrie, welch letjtere der unter dem hoben Protektorate Ihrer k. u. k. Hoheit der durcblaucbtigften Frau Erzherzogin Habella ftebende »Ifabella-Hausinduftrie-Verein in Pozfony« und der »Ungarifcbe LandesbausinduftrieVerband in Budapeft« ausgeftellt haben. Hier waren auch die Erzeugniffe der ungarifchen Waffeninduftrie untergebracht. 61 Halle im Erdgefcboffe des Ungarifchen Jagdfchloffes. ftusftellungsfaal Seiner k. u. k. Hoheit des Erzherzog Jofef. Ungarifcbes Jagdfcbloß.