Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

I. TEIL. Der Führer durch die Ausstellung. Von Dr. Adolf Stengl, k. k. Forstrat

Der Führer durch die FJusftellung. Außerdem zeigten Dioramen als Abfcbluß der Seitenfiügel des Saales Wildgruppen in ihrer ureigenften, naturgetreu nachgebildeten Umgebung. Ergänzt wurde diefes Bild der norwegifchen Jagdfauna durch Karten­werke und jagdftatiftifcbe Tabellen. Daran reihte ficb eine reiche Expofition all deffen, was der Jäger an Waffen und Ausrüftungsgegen­ftänden unter den fo verfcbiedenen und wecbfelnden jagdlichen und klimatifcben Verbältniffen des Landes benötigt. Vor allem find es die erfteren, die hier Erwähnung verdienen. Die Kollektion zeigte einerfeits den Entwicklungsgang, den das Waffenwefen feit 1750 bis auf die Gegenwart in Norwegen genommen hat, anderfeits aber intereffante Typen, wie fie nur den nordifcben Ländern eigen find, fo Objekte, die ficb auf die Walfifchjagd bezogen, vor allem allerlei Harpunen zum Wurf aus freier Hand und zum Abfcbießen aus Kanonen u. a. m. Als Repräfentanten der grauen Vorzeit waren Nachbildungen von zwei Wikingerfcbiffen ausgeftellt, jenen ler manchem diefer Objekte praktifche Details abgucken und darnach ihre eigene Ausrüftung vervollkomm­nen. Hier wäre auch eines viel angeftaunten Objektes Erwähnung zu tun, eines be ­fpannten Renntierfcblittens, wie er im hoben Norden des Landes in Verwen­dung ftebt. Schließlich erinnern wir noch an die wuchtigen, in der Kompofition origi­nellen, dekorativen Pan­neaux von Torolf Holmboe aus Cbriftiania, welche die Giebelfelder fcbmückten, dann die anfprechenden Bilder des Genannten fowie Werke von Ucbermann, Gran und anderen, die in diefem Räume verteilt waren. Auf die exponierten Trophäen zurückkommend, glauben wir, daß es mit Rückficbt auf die wenig be­kannten und doch des Jn= tereffes gewiß nicht ent­behrenden jagdlichen Ver­hältniffe Norwegens nicht unangebracht fein wird, wenn darüber einige, berufener Feder entftammende Mitteilungen gemacht werden: Wenige Länder in Europa bieten fo günftige Bedingungen zur Ausübung von allerlei Sport im allge­meinen und der Jagd im befonderen wie Norwegen. Das Land ift bei feiner gewaltigen Ausdehnung und durch feine natürliche Befcbaffenbeit, vor allem die reiche Abwechslung an Wald-, Wiefen- und Bergland, ganz darnach angetan, die Tierwelt zu reicher Entfaltung zu bringen. Große Teile des Landes befinden ficb ge­wiffermaßen noch im Urzuftand und noch kann man mächtige, von der Axt des Holzfällers unberührte Wälder antreffen. Zahlreiche Flüffe, von Lachs und Forelle bevölkert, durchziehen das Land nach allen Richtungen bin und ausgedehnte Alpgebiete erftrecken ficb bis zum ewigen Schnee hinauf. Aus der geringen Befied­lung im Verhältnis zu der gewaltigen Ausdehnung des Landes läßt ficb feine teilweife Unberübrtbeit er­klären. Das Wild lebt hier unter weit günftigeren Bedingungen als an irgendeinem anderen Orte Europas, zumal die Wildbeftände bis vor ganz wenigen Jahren überhaupt nicht Gegenftand menfcblicben Eingreifens waren. Alles regelte ficb gleicbfam von felbft und die Einwohner ftanden gefcbloffenen Auges den Herrlich­keiten, die das Land bot, gegenüber. Erft mit den immer mehr ficb entwickelnden zeitgemäßen Verkebrsver­bindungen und dem zunehmenden Touriftenbefucb erhielt das Land neue Impulfe, welche die Norweger aus ihrer Gleicbgiltigkeit aufrüttelten und bei ihnen Sinn für früher unbekannte Erwerbsquellen weckten. Als Ausfluß diefer Wandlungen kann auch die Erkenntnis angefeben werden, daß das Wild ficb nicht länger allein ixberlaffen bleiben dürfe und gefcbütjt werden müffe. Außer dem älteften und lange Zeit hin­55 »Wellenroffen«, auf denen die Normannen ihre küh­nen Seefahrten nach weit­entlegenen Ländern unter­nahmen und, bis ins Herz Europas — vor Paris und Mainz — vordringend, die unbefcbränkten Herren der Oft- und Nordfee wurden. Das eine diefer Schiffe aus dem IX. Jahrhundert wurde im füdlicben Norwegen bei Oferberg im Jahre 1904, das zweite, ein Jahrhundert ältere, in Gokftad um 1880 gefunden. Daß unter den Jagd­ausrüftungsftücken die Fuß­bekleidung und die zur Fortbewegung bei tiefer Schneelage dienenden Ein­richtungen, allerband Schneereifen und Scbnee-­fcbube, die verfcbiedenen Syfteme von Skiern etc. einen breiten Raum ein­nehmen werden, war von Haus aus ebenfo zu erwar­ten, wie daß diefe Gegenftän­de in Konftruktion und Aus­führung auf der Höhe fteben werden. Es konnten denn auch Jäger und Winterfport­Partie aus der flusftellungsballe mit Wikingerfcbiff. Pavillon »Norwegen«.

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