Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

I. TEIL. Der Führer durch die Ausstellung. Von Dr. Adolf Stengl, k. k. Forstrat

Der Führer durch die FJusftellung. durch einzigen Vereine, dem »Norsk Jaeger og Fisker Forening« (Verein norwegifcher Jäger und Fifcher), hatte fich im legten Jahrzehnt eine ganze Reihe neuer Vereine zwecks rationeller Wildpflege gebildet, deren Zahl über das ganze Land hin fortwährend zunimmt. Unter diefen fei befonders des Vereines »Forening til Udrydelfe af Rovdyr« (Verein zur Ausrottung der Raubtiere) gedacht. Das Beftreben, den Fang der Raubtiere zu fördern und dadurch dem Wilde indirekt Scbut3 angedeihen zu laffen, hatte reiche Früchte getragen. Beifpielsweife führen wir an, daß an Orten, wo früher kaum 3000 bis 8000 Schneehühner erbeutet worden find, jetjt nach 4 bis Sjäbriger Tätigkeit infolge Dezimierung des Raubtierbeftandes Strecken von über 50.000 Stück jährlich gemacht werden. Das Verftändnis für die Jagd ift fomit geweckt und es er­fcbließt fich nunmehr für Norwegen mit feinen für allerlei Wildgattungen fo überaus günftigen Bedingungen eine reiche Zukunft. Unter den in Norwegen bauptfäcblich vorkommenden Wildarten muß in erfter Linie der Elch genannt werden, der fich in großen Mengen in den ausgedehnten Wäldern des Landes vorfindet, ferner das wilde Eisbären am Meeresftrand in Norwegen. Renntier, das nicht feiten in Herden von 1000 Stück und darüber auf den ungeheuren Gebirgsweiden herumzieht, wäh­rend an der Weftküfte Nor­wegens (Hardanger, Romsdals-­amt und auf der großen Infel Hitteren im Drontbeimsfjord) ein nicht unbedeutender Stamm Rotwildes lebt. Die Elcbjagd wird ent-­weder mit dem Leitbund, der angeleint bleibt, oder mit dem Spürbund, der frei jagt und Laut gibt, wenn fich das Tier ftellt, betrieben; nur ganz ausnabms» weife veranftalten größere Grundbefitjer Treibjagden. Huf Ren und Hirfcb wird faft aus-­fchließlicb nur gebirfcbt, beim erfteren ab und zu der Leitbund verwendet. Neben dem aus Schweden zahlreich einwandernden Reh, das beute im füdlichen Nor* Kapitales Renntiergeweib aus Norwegen. wegen allenthalben anzutreffen ift, ift der Hafe gleichmäßig über das ganze Land verbreitet, von den niedrigften Regionen über die Baumgrenze hinaus bis zum kahlen Gebirge. Von den Hübnervögeln wären zu nennen: das fiuer-­bubn, welches faft ausnahmslos nur in den gefchloffenen, aus­gedehnten Schwarzwäldern an­zutreffen ift, dann das Birk= und vor allem aber das Scbnee-­hubn, das vornebmfte Flugwild Norwegens, das die Birkenbänge und die weiten, fteinigen Ge= birgszüge bevölkert. Vom Sportsjäger wird der Hafe immer vor Bracken, das Flugwild vor dem Vorftebbund gefcboffen; die Landbevölkerung betreibt dagegen im Frühjahr die Balzjagd auf Auerhahn und Birkhahn und fängt im Spät-­berbft und im Winter das Wild leider noch maffenbaft in Schlingen und Fallen. Über kurz oder lang wird indeffen der Bauer hoffentlich feinen eigenen Vorteil erkennen, daß ihm fein Wild beffer bezahlt wird, wenn er fein Terrain dem Sportsjäger verpachtet. Der Reichtum an Waffervögeln, welchen Norwegen feiner gewaltigen Strandlinie und feinen Schären zu danken hat, ift überwältigend, die nationalökonomifcbe Rolle, welches diefes Wild feines reichen Ertrages an Federn, Daunen und Eiern wegen fpielt, von großer Bedeutung und zwar befonders für das nördliche Norwegen, deffen größtenteils arme Bevölkerung daraus einen reichen Ne= benverdienft zieht. In bezug auf geregelte jagdliche Verbältniffe blieb Norwegen, wie erwähnt, bis zu den allerletzten Jahrzehnten hinter den anderen europäifcben Ländern zurück; es ift daher auch nicht zu wundern, daß die Raubtiere noch recht zahlreich auftreten. In vielen Teilen des Landes überfällt der Bär noch immer die im Sommer auf den »Saeterweiden« grafen-­den Herden von Groß- und Kleinvieh, während Wolf, Luchs und Vielfraß die Renntierberden bedrängen, Marder, Hermelin, fidler, Uhu, Falk und Habicht aber die Reiben des Niederwildes liebten. 56 Rerintierberde in Notwegen.

Next

/
Thumbnails
Contents