Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

I. TEIL. Der Führer durch die Ausstellung. Von Dr. Adolf Stengl, k. k. Forstrat

Der Führer durch die FJusftellung. Die Räume der rechten Scbmalfront des Gebäudes nahmen die Aufteilungen der Induftriemaler, Gürtler und Bronzearbeiter fowie die Kollektivausftellung der Schuhmacher und Bürftenerzeuger auf. Von diefer letzteren gelangte man in die Expofition der Kleidermacher des Herrenfaches, an die fich, korrefpondierend mit dem auf der gegenüberliegenden Seite des Gebäudes gelegenen Halbrundbau mit Salon und Garten, die Halle eines Jagdfcbloffes mit Kamin und darüber angebrachtem Kaiferbild aus glafierten Tonplatten anfcbloß. Der Raum war dazu beftimmt, eine Gefellfcbaft in Koftümen zur Hoch--, Nieder-- und Parforcejagd vorzuführen. Außerdem waren in kleineren Abteilen die Kollektivausftellungen der Vergolder, Drechfler und Pboto­grapben, in einem an der rückwärtigen Front des Pavillons angeordneten Zubau die Ausftellung der Scbloffer inftalliert. Der Pavillon bat wegen feiner künftlerifcb originellen Raumgeftaltung fowie des überaus vornehmen und ge­fcbmackvollen Inhaltes allge­meinen Anklang gefunden und ift der mit deffen Errieb­tung verbundene Zweck der Vorführung gewerblicher Er­zeugniffe in vollem Maße erreicht worden. Es ift nicht nur im Pavillon felbft ein reger Umfat) erzielt, fondern aucb manche Verbindung zwifeben Ausftellern und Kon­fumenten angeknüpft wor­den, welche den Gewerbe» Kollektivausftellung der Kleidermacber des Herrenfacbes. Pavillon »N.=Ö. Landesgewerbeförderung«. treibenden dauerndenNutjen zu bringen verfpriebt. Ander­feits bat die Beteiligung der niederöfterreiebifeben Landes* Gewerbeförderung an der Jagdausftellung den Gewerbe» treibenden felbft den volks­wirtfcbaftlicben Nu^en der Jagd zur Erkenntnis ge­bracht, gleichzeitig aber aucb dem großen Publikum den Beweis geliefert, wie viele gewerbliche Branchen durch die Jagd befebäftigt werden und aus ihr Nutzen ziehen. Wie febr diefe Veran­ftaltung den feitens der Jagd­ausftellung felbft verfolgten Zweck der Popularifierung des volkswirtfcbaftlicben Nüvens der Jagd gefördert bat, gebt febon daraus hervor, daß die Gewerbetreibenden, welche urfprünglicb in der Jagdausftellung bloß eine rein fportlicbe Veranftaltung faben, eine Verlängerung diefer Unternehmung dringend wünfebten, nachdem fie fich davon überzeugt hatten, wie febr diefelbe zur Belebung des Gefcbäftsverkebres beigetragen bat. Gegenüber der Seitenfront des niederöfterreiebifeben Gewerbeförderungs-Pavillons ftand an der Verbin­dungsftraße zwifeben Feft- und Ernäbrungsavenue der nach Entwürfen des Architekten Grafen Cronftedt erbaute Schwedifche Pavillon, ein fcblicbtes, zum Teile mit Schindeln verfcbaltes Holzgebäude, das gegen die Feftavenue zu ein maffiger, viereckiger Turm mit fteilem Pultdacbe krönte. An der einen Seitenfront war an der Feftavenue eine Terraffe mit Vorgarten angeordnet — das febwedifebe Reftaurant — in dem Mädchen in der farben­prächtigen, kleidfamen Nationaltracht bedienten. Das ganze Objekt in einem ftumpfen Dunkelrot gehalten, mit dem das blendende Weiß der Wappenfcbilder und Fenfterkreuze auf das wirkungsvolle kontraftierte, trug einen ganz aparten, von jedem Konventionellen weit entfernten — zu feinem und feiner Erbauer Lobe fei es gefagt — durchaus natio­nalen, febwedifeben Charakter. Der erfte Raum, den man von der Hauptavenue betrat, war ein Vorzimmer, in dem die Kopie eines alten Friefes aus dem Schlöffe in Kalmar auffiel. Derfelbe ftellt eine Reibe von Epifoden aus dem Jagdleben des damaligen Prinzen, naebberigen König Erich XIV. vor — ein intereffantes Dokument für die leidenfcbaftlicbe Gefolgfcbaft, die Schwedens Könige Dianens Banner febon in frühen Zeiten leifteten. Die Wände fcbmückten große von Dr. Leinar Lörmberg entworfene Wildverbreitungskarten des Landes; im Fenfter ftand ein naturgetreues Modell der großartigen Dampffäbre zwifeben Trellenborg und Saßnitj. Zur Rechten gelangte man in das Königszimmer. Aucb diefes machte mit feiner frei­liegenden Deckenkonftruktion, dem originellen, febmiedeeifernen Lufter, den zur Wand­bekleidung verwendeten feingemufterten Geweben aus der Landfcbaft Schonen und mit feiner fonftigen Einrichtung einen durchaus aparten Eindruck. Gegenüber dem Eingange hing das Porträt König Guftav V., rechts und links von herrlichen Rebkronen umgeben. Diefe, fowie die übrigen Trophäen diefes Raumes hatte der Monarch felbft erbeutet. Den Wandfcbmuck bildete weiters neben pbotograpbifcben Abbildungen febwedifeber Königs­fcblöffer eine Reibe ftimmungsvoller Tier- und Jagdbilder von Meifter Bruno Liljefors. Balzmomente des Auer- und Birkwildes, Meifter Lampe in feinem weißen, nordifeben Gewände in febnee­bedecktem Ficbtendickicbt, da wiederum Reineke am Wecbfel, dem Jäger ganz vertraut zufebnürend, dann Stockenten, eine Kette Rebhühner und Eiderenten am Meeresftrande. Mochte der Laie fich beim Anblicke Mädchen aus dem febwedifeben Reftaurant. 45

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