Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

I. TEIL. Der Führer durch die Ausstellung. Von Dr. Adolf Stengl, k. k. Forstrat

Der Führer durch die FJusftellung. diefer Bilder an der meifterhaften Technik und Kompofition, der unvergleichlichen Wiedergabe der Natur erfreuen, fo verblüffte gerade den Jäger die treffliebe Cbarakterifierung des Wildes. Er fühlte, daß all das Dargeftellte auch felbftgefcbaut und empfunden war! Das Möblement des Raumes bildete eine Garnitur beftebend aus Tifcb und bocblebnigen, mit Elcbleder überzogenen Stühlen. Die Tifcbplatte war mit Kiefern» febeiben eingelegt, welche durch die gut angenommene Politur die feinen Jahresringe der Stämme aus dem nordifeben Wuchsgebiete diefer Holz» art erkennen ließen. Vom Vorzimmer aus gelangte man einige Stufen tiefer in die große Husftellungsballe. fin der Mittel» wand prangten 10 mächtige Elch» bäupter und etwa 80 Stangen» und Schaufelgeweibe diefer Wildart, dar» unter das mit dem Rekordpreis für europäifebe Provenienzen gekrönte Stück von 135 Zentimeter Auslage, 25 Zentimeter Rofen» und 20 Zenti» meter Stangenumfang. Unterhalb lief ein breiter Fries von etwa 300 Rebgebörnen. Das, was hier an die» fen Trophäen zur Ausftellung ge= bracht wurde, übertraf alle Erwar» tungen und zeigte die Qualität des febwedifeben Rebwildes im heften Liebte. Stämmigkeit und Endenreicb» tum, prächtige Perlung und ftark ausgebildete Rofen cbarakterifierten diefe Stücke. Neben dem fab man an Geweibtropbäen einige gute Dam» Königszimmer. und Rotbirfcbgeweibe. Pavillon »Schweden«. De n übrigen Raum an den Wänden füllten Felle und Bälge der in Schweden vorkommenden Pelztiere in ihren Farbenfpielarten und den durch die Jahreszeit bedingten Unterfcbieden, dann fämtlicbe Repräientanten der jagdbaren Vogel» weit des Landes, präpariert als erlegtes Wild, fowie Stopfpräparate der wiebtigften Raubvögel in natürlichen Stellungen. Die Mitte des Saales an der Längswand nahm eine gelungene dermatoplaftifcbe Gruppe ein, ein kapitaler Stangenelcb von einem wolfsgrauen, nordifeben Spitj verbellt. Schließlich wäre aus diefem Räume noch der verfcbiedenen Jagdausrüftungsftücke, vor allem einer reichen Kollektion von Skiern, dann des automatifeben Jagdgewehres, Syftem Sjögren, und des berühmten febwedifeben Normalpulvers Erwähnung zu tun, welche Objekte von privater Seite zur Husftellung gebracht worden find. Der let)te, an der Ernäbrungsavenue gelegene Raum war zu einer Husftellung des Touriften» und Frem» denverkehrswefens ausgeftaltet. Neben mufterbaften, pbotograpbifcben Vergrößerungen künftlerifcber Land» febaftsaufnabmen war hier ein effektvolles Diorama mit figuraler Staffage von Stockholm, dem »nordifeben Venedig«, zu feben. flnfcbließend an die vorftebende Befcbreibung des Scbwedifeben Pavillons laffen wir zum befferen Verftändnis diefer Expofition eine kurze Schilderung der jagdlichen Verhältniffe diefes intereffanten Landes aus der Feder unferes Gewährsmannes folgen. Das König» reich Schweden erftreckt fich in einer Längenausdehnung von 1515 Kilo» meter über nahezu 14 Breitegrade und weift in bezug auf Boden» geftaltung, Klima, Flora und Kulturzuftand derart weitgebende Unter» febiede auf, daß naturgemäß auch das Bild feiner Jagdfauna ein äußerft mannigfaltiges fein muß, zumal das Land auch ausgedehnte Küftengebiete befitjt, die den Hrtenreicbtum feiner Tierwelt nur noch vermehren. Jagdlich ftebt zu oberft vermöge feiner Mächtigkeit, des febönen Hauptfcbmuckes und feines auf die nördlichen Regionen der Kontinente befebränkten Vorkommens der Elch, der über das ganze Land wenn auch in wecbfelnden Ständen verbreitet ift. Mit Rück» ficht auf die Ausbildung des Geweihes kommen zwei Spielarten, der Stangen» und der Scbaufelelcb, vor, welche beide im Pavillon durch zahlreiche Trophäen vertreten waren. Ob erfterer, wie behauptet wird, bereits eine Degenerationsform darftellt, möge unentfebieden bleiben, zumal das früher erwähnte, mächtige Ganzftück, 46 Scbneebafe in Winterlandfcbaft. Gemälde von B. Liljefors. Pavillon »Schweden«.

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