Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

I. TEIL. Der Führer durch die Ausstellung. Von Dr. Adolf Stengl, k. k. Forstrat

Der Führer durch die Fíus ítellung. Von da gelangte man in den Repräfentationsraum, einen großen, mit ftilvollen Teppichen belegten Saal mit kuppelartiger Eindeckung, welcher feine Belichtung durch ein großes Glasfenfter nach Geylings Entwürfen erhielt. Das Glasfenfter ftellte eine Allegorie der Gewerbeförderung dar. Eine fitjende, mit dem Herzogsbute gekrönte Frauengeftalt verweift die zu ihrer Rechten ftebenden Gewerbetreibenden auf drei allegorifcbe Frauengeftalten zu ihrer Linken: Wiffen, Fortfehritt und teebnifebes Können. Der Raum, mit Lorbeerbäumen in ornamentierten Bronzekübeln gefcbmückt, hatte eine Wandbefpan­nung aus Goldftoff erhalten, auf welchem in Pofamentierarbeit Blumenkörbe kunftvoll ausgeführt waren. Gegenüber dem Haupteingange hing unter dem Glasfenfter das bekannte Ölgemälde von Profeffor Jungwirtb: »Eine Sitjung des niederöfterreichifcben Landtages 1908«. In 6, an den Wänden ftebenden Vitrinen waren die Erzeugniffe der Juweliere, Gold- und Silberfcbmiede: Jagdfcbmuck und Gebraucbsgegenftände fowie figurale Arbeiten in Gold und Silber zur Schau geftellt. Vom Repräfentationsfaale gelangte man links in den Ausftellungsraum der Sonnenfcbirm-- und Regenfcbirm­erzeuger, der Wirkwarenerzeuger, Damenkleidermacber und der Modiften, von da weiter zu einem halbkreis­förmigen Ausbau, der zu einem modernen Salon und daran anfcbließendem, mit künftlicben Pflanzen befe^ten, ftilifierten Garten ausgeftaltet war. Hier fab man Gruppen von Wachsfiguren, die eine Gefellfcbaft in Abend­toilette beim febwarzen Kaffee vorteilten. Die Damen- und Herrenkleider waren Modelle der Genoffenfchaft der Kleidermacher. Anftoßend lag einerfeits die Kollektivausftellung der Federfcbmücker, Handfcbubmacber, Kamm- und Federmacher, anderfeits ein fcbmaler Gang, der zu den weiteren Ausftellungsfälen führte. Die eine Längswand desfelben nahm das Diorama von Wienerbruck an der Mariazeller Lokalbahn ein. Im Vor­KoUektivausítellungen der Kunftblumenerzeuger und Pofamentierer, dann der Produktivgenoííenícbaft der flbfolventinnen der Kunftgewerbefcbulen. Pavillon »N.=Ö. Landesgewerbeförderung«, dergrunde die Ortfcbaft, rechts das Stationsgebäude, in der Mitte die anfteigende Babntraffe nach Mariazell; im Hintergrunde der Ötfcher mit feinen Vorbergen. Zwifcben der letztgenannten Kollektivausftellung und diefem Gange befand fieb ein großer Saal mit Wand­malereien, entworfen und ausgeführt in der Schule des Profeffors B. Löffler der k. k. Kunftgewerbefcbule in Wien, welcher die KoUektivausftellungen der Kunftblumenerzeuger, der Pofamentierer fowie der erften Wiener Pofamentierergenoffenfcbaft der Abiolventinnen der k. k. Kunftftickereifcbulen r. G. m. b. H. aufnahm. Der erwähnte Durchgang führte anderfeits zum Saale der Spengler, Uhrmacher, Graveure, Feinzeug­und Mefferfchmiede, der Scbwertfeger und Waffenfcbmiede fowie in weiterer Folge zu den gleich diefen in derfelben Flucht der Räume an der rückwärtigen Front des Gebäudes gelegenen Ausftellungsfälen, in denen die Expofitionen der Präparatoren, enthaltend Stopfpräparate exotifcher und inländifcber Jagdtiere, dekorative Gewebrftänder, Waffenfcbränke, Geweiblufter, Tierköpfe aus Holz, Eifen und Terrakotta ufw., fowie die Kollek­tivausftellung der Riemer, Sattler und Lederbofenerzeuger untergebracht waren. In der Mitte des Gebäudes, zugänglich von dem Mittelraume der rückwärtigen Front, gruppierten fich um einen Lichthof 6 Interieurs eines Jagdfcbloffes, die von den Tifcblern kollektiv eingerichtet worden find. Sie beftanden aus einer Halle in Weichbolz gebeizt, mit geriffelten Stabwandverkleidungen mit Jagdmotiven als Supraporten; einem Herrenzimmer in Eichenholz, in deffen Einrichtung das praktifebe Moment beiondere Beriickficbtigung fand; einem Salon in englifebem Renaiffanceftile, reich gefchnitjt in amerikanifebem Nuß­bolz; einem romanifeben Speifefalon in geräucherter Eiche mit reicher Scbnit}erei; einem Schlafzimmer in weißem Riegelaborn, poliert, mit Zitronenbolzintarfien und vergoldeten Bronzen, endlich einem Fremden­zimmer in lichtem, halb poliertem Eichenholz. 44 Kollektivausftellungen der Zifeleure, Gürtler, Bronzearbeiter und Induftriemaler.

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