Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

I. TEIL. Der Führer durch die Ausstellung. Von Dr. Adolf Stengl, k. k. Forstrat

Der Führer durch die Husftellung. oder auch mehreren Exemplaren, einige der intereffanteften, wie das Kudu, das Eland und die als »Gems­bock« bezeichnete flntilopenart, in wahren Prachtexemplaren vertreten. Se. Majeftät König Georg V. ließ fieben feiner beften in der Sammlung im Marlborougb-Houfe befindlichen Trophäen auswählen und zwar zwei aus Neufundland ftammende kapitale Karibu- (amerikanifcbe Renntier--) Geweihe, das Gehörn eines Mofchusochfen (Ovibos mos­cbatus) in reinfter cbarakteriftifcber Form, bei dem ficb die beiden Ge­hörne in der Mittellinie des Schä­dels faft berühren, ferner Gehörne des Himalaja-Steinbocks (Capra si­birica), des Tbar, Markbor und das Geweih des javanifcben, zur Gat­tung Russa gehörigen Hirfcben, der zeitlebens nur 6 Enden auffegt. Diefe letjtere Trophäe ftammt von auf der Infel Mauritius aus Java eingelegten Hirfcben und ift in be­zúg auf die dort beobachtete Ge­weibentwicklung als Rekordftück zu bezeichnen. Die ausgefeilten Trophäen bil­deten, nach Provenienzen geordnet, vier Hauptgruppen, von denen die erfte Trophäen aus Hfrika (Süd­wand des Pavillons), die zweite und dritte Objekte aus Indien und Kanada (Nordwand), die vierte Tro­phäen aus dem europäifcben Infelreicb (Weftwand) umfaßte. Alle diefe febenswerten Objekte hier einzeln Revue paffieren zu laffen, würde zu weit führen, zumal derfelben auch im Artikel »Die exotifcbe Jagd« befonders gedacht wird. Wir befcbränken uns daher bloß darauf, das Hervorragendfte zu erwähnen. Neufundtand-Karibu aus dem Befitje Sr. Majeftät König Georg V. Pavillon »Großbritannien«. Nacf> einet Aufnahme des -Country.Life., London. Himalaya=SteinboA (Capra sibirica) aus dem Befit>e Sr. Majeftät König Georg V. Pavillon »Großbritannien«. Nacf> einer Aufnahme des "Country-Life-, London. Die Sammlung der afrikanifcben Tro­phäen war die reicbbaltigfte. Hier fiel vor allem die Serie prächtiger Büffelköpfe aus dem Kaplande auf, dann mehrere kapitale Exemplare der Kudu-, Elen- und Säbelantilope, ferner Trophäen der Gems­bockgazelle (Oryx gazella), Pala-Antilope, des Kob (Cobus maria), der Addax-Anti­lope, der Grant-, Tbomfon- und Spekes­Gazelle u. a. m. Befonderes Intereffe weckten die Trophäen zweier »weißer« Nasborne, wovon das eine im Süden des Verbreitungsgebietes in Masbona, das andere am oberen Nil erbeutet worden ift. Die Trophäe des erfteren trug zwei Hörner, von denen das vordere die größten, an einem Männchen gemeffe­nen Dimenfionen aufwies. Von dem ge­meinen fchwarzen Nasborn, dem foge­nannten Doppelnasborn, waren drei Exemplare vertreten. Die eine diefer Trophäen zeigte die ungewöhnliche Zahl von 5 — wenn auch etwas verbildeten — Hörnern. An Elefanten-Trophäen waren Kiefer mit Hörnern eines im Mas­bonaland geftreckten Weiß = Nas= bornes. Pavillon »Großbritannien«. Aufnahme des -Country-Life«, London. zu fehen ein Paar prächtiger Stoßzähne vom Tanafluffe, weiters ein von der Britisb-Soutb-Africa-Company entliehenes Paar und ein einzelner Zahn aus dem Befitje des »Sport-Klub« von 147 Pfund Gewicht. Zu den Raritäten gehörte eine be­fonders gute Trophäe des Bongo, dann eine folcbe vom Hunters Hartebeeft, im Jahre 1903 am Jubafluffe erbeutet, und ein Haupt des Warzenfcbweines. Eine weitere Seltenheit war das Prachtexem­plar eines fcbwarzgefärbten Leoparden von außerordentlicher Größe, geftreckt bei Nairobi in Oftafrika. Der »König der Tiere« war in mehrfachen Exemplaren zu fehen, darunter ein präpariertes Ganz­ftück, erlegt in Britifcb-Oftafrika, ein aus Rbodefia ftammendes Exemplar, dann eines aus dem Somaliland, fowie ein prächtiges, präpariertes Haupt famt Vor­fcblag und Pranken. Die indifcbe Großtierwelt, zwar nicht fo reichhaltig wie jene Afrikas vertreten, wies einige hervorragende und bochintereffante Stücke auf, fo drei Trophäen des Kafcbmir-Hirfcben, auch Barafinga genannt, zwei febr gute Geweihe des Sambur-Hirfcben und das Gehörn eines Gaur (Dfchungelrind). Zu er­wähnen ift weiters ein kapitales Gehörn des indifcben Büffels (Bos bubalus) aus den Zentralprovinzen, vier Exemplare des afiatifcben, dann folcbe des arabifcben und oberägyptifcben Steinbocks. Eines der lederen ftammt 6 I. Teil. 41

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