Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

I. TEIL. Der Führer durch die Ausstellung. Von Dr. Adolf Stengl, k. k. Forstrat

Der Führer durch die Fíus ítellung. aus der Sammlung des Marlborough--Houfe und wurde über befon­deren Huftrag weiland König Eduard VII. zur Husftellung gebracht. Sebr gut vertreten war die Scbraubenziege (Capra Falconeri), aucb Markbor genannt, dann das Cabul- und Suleman-Markbor mit ganz regelmäßig gewundenem Gebörn, erbeutet 1905 im Kurramtale. Ferner fielen in diefer Gruppe neben mehreren fcbönen Tiger­bäuten Häute mit Häuptern zweier im fogenannten Giroforeft (Katbia­war) im Jahre 1905 geftreckten Löwen auf. Die meiften Trophäen aus den englifcben Befitjungen in Hmerika waren im Pavillon von Kanada untergebracht und find bei der Be= fcbreibung desfelben befonders gewürdigt. Hußer diefen enthielt jedoch aucb der Pavillon »Großbritannien« manch hervorragendes Stück. Wir nennen hier vor allem die von weiland König Eduard VII. der Sammlung von Sandringbam entnommenen Elch-, Wapiti- und Karibu- (Renn­tier--) Trophäen, dann ein hervorragendes Geweih eines Elches und ein nicht minder braves eines Karibu aus Privatbefit), erbeutet im Jabre 1904, beziehungsweife 1906 an der nördlichen Gabelung des Mac­millanfluffes im Yukon Territorium. Befonderes Intereffe weckten die Trophäen von Neufeeland, welches Geweihe von feinem Rotwilde (Cervus elapbus) einfendete. Diefes Wild fehlte dem Lande bis vor etwa 50 Jahren gänzlich und wurde erft 1862 durch Einfetten eines Hirfcben und zweier Tiere, die den Beftänden des Windforparkes entnommen worden find, eingebürgert. Es akklimatifierte fich in feiner neuen Heimat fehr leicht und vermehrte fich fo rafcb, daß Haupt eines in den Yatta Plains, Britifch­Oftafrika, geftreckten Doppelnashornes. Pavillon »Großbritannien«. Nach einer Aufnahme des -Country-Life-, London. der Stand beute auf 10.000 Stück ge= fcbätjt wird. Hucb das europäifche Infelreich fen­dete fein Beftes. Das gilt vor allem von dem fcbottifcben Hochwild, von dem re­lativ ganz kapitale Geweihe ausgeftellt waren, die fich auch in der Vereckung befferen Provenienzen aus dem euro­päifcben Feftlande näherten. Hucb aus englifcben Tiergärten fab man manch gutes Geweih. So z. B. enthielt die Samm­lung von Trophäen aus dem Warnbam­Park den berühmten »großen Warnbam­Hirfcben« und deffen Hbwürfe aus den letjten 6 Jahren. Hn das Englifcbe Reichsbaus reihte fich der Blumenkiosk an, ein netter, Haupt eines in den Zentral­provinzen geftreckten indifcben Büffels. Pavillon »Großbritannien«. Aufnahme des -Country-Life., London. zierlicher Bau, der indeffen auch noch deshalb erwähnt zu werden verdient, weil von ihm aus die gärtnerifcbe Hus­fcbmückung der Husftellung geleitet wor­den ift. Diefelbe paßte fich vortrefflich an die modernen Husdrucksformen der Bauten an und verdiente vollauf die An­erkennung, die ihr uneingefcbränkt ge­zollt wurde. Das meifte in diefer Hinficht verdankte jedoch die Husftellung dem Umftande, daß es geftattet war, fie zwifeben die prächtigen Baumgruppen des k. k. Praters einzubetten und daß diefe unfcbätjbare Quelle malerifcber Wirkungen von der Bauleitung in der gefcbickteften Weife ausgenüt}t worden ift. Gelang es auf diefe Hrt für die Bauten einen reizvollen Hintergrund zu febaffen, dem Befucber erquickenden Schatten zu fpenden, fo war anderfeits damit aucb noch der Vorteil verbunden, daß der Husftellung der Eindruck des Proviforifchen, Paffageren, benommen wurde, was um fo höher anzufcblagen war, als ohnehin einige Baulichkeiten in Stil und Ausführung einen monumentalen Charakter an fich trugen. Überdies war durch das einhüllende Grün eine Ifolierung der Bauten zu­ftande gekommen, die eine gegenfeitige Beeinträchtigung be­nachbarter, miteinander nicht barmonierender Faffaden verbinderte oder mindeftens wirkfam abfcbwächte. Anfcbließend an den Blumenkiosk ftand das große Kine­matograpben-Tbeater (Architekt k. k. Baurat Alexander Décfey), mit feinem fcbönen, rund 1000 Per fönen faffenden Saale. Das Programm der Vorführungen war ein überaus reiches und man­nigfaltiges. Im Vordergrunde jedoch ftanden Bilder mit jagdlichen Vor­würfen und unter diefen die Aufnahmen von Jagden, an denen die drei als Jäger fo populären Monarchen Europas, Ihre Majeftäten Kaifer Franz Jofepb I., Kaifer Wilhelm II. und weiland König Eduard VII. teilnahmen. Es war dies die Gemsjagd im Reviere Steinkogl bei Ifcbl, die Fuchsjagd bei Fürft zu Fürftenberg in Donauefcbingen und eine Fafanen­jagd in Sandringbam. Neufeeland=Hirfcbe. Pavillon »Großbritannien«. Nach einer Aufnahme des -Country-Life«, London 42

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