Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

I. TEIL. Der Führer durch die Ausstellung. Von Dr. Adolf Stengl, k. k. Forstrat

Der Führer durch die Fíus ítellung. gebracht waren. Die Austeilung war noch durch eine intereffante Sammlung echter Kunft* und Gebraucbs­gegenftände der Indianer und Eskimos vervollftändigt. Sie ftammten aus dem Befitje der berühmten Hudfons-Bay-Company, die über das größte Jagdgebiet der Welt verfügt (8 Millionen Quadratkilometer) und die ihre getarnte Pelzbeute in ihren Londoner Auktionsballen zum Verkaufe bringt. Beiderfeits des Ein­ganges in den Pavillon waren zwei lebens­wahre, gefcbickt aus­geführte Figuren auf­geteilt,dereneine einen Indianer darftellte, der eben einen Wolf mit dem Laffo gefangen bat, wäh­rend die andere einen Eskimo beim Fange eines Vielfraßes zeigte. Schließlich fei noch der ftatiftifchen Auf­fcbreibungen, die in zwei dicken Bänden nieder­gelegt waren, Erwäh­nung getan. Diefelben zeigen die durcbgreifen­Feftavenue bei Beleuchtung. den Veränderungen, wel­che fich in der Zeit 1848 bis 1910 inHinblick auf die Verbraucbsquantitäten und die jeweiligenPreife vollzogen haben. Einige Schritte wei­ter gelangte man in der­felben Straße zum Pa­villon Großbritannien. Derfelbeftandmit feiner Längsfront fcbon an der Feftavenue, die, vom FremdenverUebrspalafte ausgebend, mit einem zwifcben Baumgruppen malerifcb gelegenen Teiche abfcbloß. Von hier aus genoß der Be­fucber einen prächtigen Ausblick auf die am Teich gelegenen Baulichkeiten und das Portal des Lunaparkes, das den architektonifcben Ab­fcbluß des Ganzen bildete. Anderfeits bot die Avenue felbft, vom Teiche aus gefeben, ein nicht minder wirkungs­volles Bild. Feenhaft fcbön war der Anblick, wenn Teich und Avenue in taufend elektrifcben Lichtern erglänzten! Hier pulfierte lebhaft das Ausftellungsleben. An fcbönen Nachmittagen und Abenden promenierte bei den Klängen der Mufikkapellen ein vieltaufendköpfiges Publikum, befriedigt von dem in den Pavillons Gefebenen, angeregt durch den fcbönen Anblick, den die Austeilung bot und die frohe Stimmung, die allenthalben berrfcbte. Das rege Treiben, das fich hier entwickelte, war ein Beweis dafür, daß die Jagdausftellung als Vergnügungsort einem lebhaft empfundenen Bedürfniffe der Großftadt entfprungen ift und diefes vollauf zu befriedigen wußte. Wer während der Hocbfaifon, bevor das öfterreicbifcbe Derby gelaufen und fo lange noch alles, was zur Gefellfchaft gehört, in der Hauptftadt verfammelt war, die Menge der Ausftellungsbefucber fich hier fcberzend und lachend er­geben fab, hatte das Empfinden gewinnen müffen, daß es mit einem glücklichen Wurfe gelungen ift, alle Schichten der großftädtifcben Bevölkerung in den Bann der Austeilung zu ziehen und für fie einen Zufammenkunftsort zu fchaffen, an dem fich reich und arm, jung und alt nebeneinander vergnügenkonnte.Und auch inder Zeit der Hitjemonate bot die Feft­avenue ein belebtes Bild. An Stelle der einbeimifcben, begüterten Klaffen, die bereits in den ver» fchiedenen Sommerfrifcben Erho­lung fucbten, trat der Reifende aus dem Auslande, der Ausflügler aus der Provinz und aus den Vororten von Wien felbft. Von den Bauten, die fich der Reibe nach an der Avenue und um den Teich her­um erhoben, find — an der linken Seite,beimPavillon Großbritannien beginnend, den Rundgang um den Teich fortfetjend und dann an der rechten Seite der Feftavenue zu­rückkehrend—folgende zu nennen: Blumenkiosk Gößl; Aus­ftellungskinematograpb; Land Diana von R. v. Zumbufcb. Niederöfterreich — Gewerbeför­derungsdienft; Scbwedifcber Pa­villon und Reftaurant; Deutfehes Reicbsbaus mit deutfebem Reftau­rant; Pavillon von Norwegen; Ungarifches Jagdfchloß, dann in der Verlängerung der Feftftraße gegen den Eingang zum Luna­park die Pavillons von Frankreich und Italien und wiederum weiter am Teiche das Reftaurant der Stadt Wien, das kaiferlicbe Jagdfchloß Mürzfteg, die transportable Jagd­bütte von Scheffel und Höfter, der Bosnifcbe Pavillon, das Öfter­reicbifcbe Reicbsbaus und die Pa­villons der biftorifeben und exo­tifeben Jagd. Wir wollen diefe Bauten und die darin unterge­brachten Sonderausftellungen der Reibe nach Revue paffieren laffen, früher jedoch noch einer Plaftik Erwähnung tun, deren Abbildung auch als Wahrzeichen der Jagdausftellung, als Vorwurf für ihr Plakat diente. Es ift dies die Statue der Diana von Kafpar R. v. Zumbufcb, welche von der Firma Arthur Krupp in Berndorf in Bronze gegoffen wurde. Das wirkungsvolle Werk ftand amWeftende der Feftftraße gegen den Teich zu gewendet. 39

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