Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424
I. TEIL. Der Führer durch die Ausstellung. Von Dr. Adolf Stengl, k. k. Forstrat
Der Führer durch die Fíus ítellung. Pavillon : Großbritannien. Das lebhafte Intereffe, das weiland Se. Majeftät König Eduard VII. der Jagdausftellung entgegenbrachte, war für die Stellungnahme Englands zur Frage der Beteiligung an diefer Veranftaltung von ausfcblaggebender Bedeutung. Trot} der bereits eingegangenen Engagements für Brüffel und Buenos» Aires, Rom und Turin wurde die Befcbickung der Husftellung befcbloffen. England okkupierte für feine Zwecke den Plat) an der Ecke der Feftavenue gegenüber dem Rotundenzubau einerfeits, dem Pavillon der exotifcben Jagd anderfeits und errichtete dortfelbft nach Entwürfen des Architekten Wrigbt fein eigenes Heim, eine getreue Nachbildung eines alten, in der Graffcbaft Cbesbire im Tudorftil erbauten Haufes. Eine kleine Gartenanlage, wie fie dortzulande bei Familienbäufern üblich ift, umgab das Gebäude. Die Wahl des baulieben Vorbildes muß als durchaus glücklich bezeichnet werden, indem das Haus wegen der aparten, das Bild der Avenue belebenden Faffadenausgeftaltung fowie feiner einnehmenden Befcbeidenbeit überaus gut gefiel. Doch auch die Inneneinrichtung ließ nichts zu wünfeben übrig. Das matte Grün der Wandbefpannung war ganz danach angetan, die zur Schau gebrachten Trophäen im kräftigen Liebte der Wiener Sonne gut zur Geltung zu bringen. Inmitten des Pavillons war das Skelett des berühmten Raffepferdes und Derbyfiegers »Perfimmon« aus dem Befitje weiland Sr. Majeftät König Eduards VII. aufgeteilt. Der König hatte felbft die Husftellung diefes intereffanten Skelettes verfügt und hiermit fowie weiters auch noch dadurch fein Intereffe für die Jagdausftellung bekundet, daß er fünf feiner heften Trophäen (2 Elcbfcbaufeln und 3 Wapitigeweibe) aus der reichen Sammlung in Sandringbam, wenige Tage bevor ihn fein Gefcbick ereilte, perfönlicb auswählte und für Zwecke der Husftellung zur Verfügung ftellen ließ. Neben dem Skelette Perfimmons ftand jenes der berühmten Eklipfe, einer hervorragenden Repräfentantin des durcbgezücbteten, reinften englifcben Vollblutes, das den Sammlungen der königlich tierärztlichen Hocb» fcbule entlehnt worden ift. Hußerdem war noch ein anderes, an das berühmte Pferd erinnernde Objekt zur Husftellung gebracht, nämlich fein als Scbnupftabaksdofe montierter Huf. König Wilhelm IV. hatte feinerzeit diefes Hndenken an das edle Pferd dem englifcben Jockei-Klub gewidmet, der es dem Komitee für Zwecke der Wiener Husftellung überließ. Ebenfalls dem Befitje der erwähnten Hocbfcbule war das dritte Pferdefkelett entnommen. Es ftammte von dem Hengfte Hermit, dem Sieger in dem weltberühmten Derby vom Jabre 1867, bei dem eine Quote von 1000 : 15 gezahlt worden ift. Neben diefen hervorragenden Objekten, die als würdige Repräfentanten des Rennfportes hervorzuheben find, waren im Pavillon zahlreiche Gegenftände, die fich auf die in England in hoher Blüte ftehenden anderen Sporte bezieben, unter» gebracht und in gefchmack* voller Weife zur Aus» fcbmückung des Raumes verwendet. Vor allem wä* ren unter diefen eine reiche Kollektion von Riemen als Wahrzeichen abgehaltener bemerkenswerter Ruder» regatten, Preife und Erin» nerungszeieben von fport» lieben Konkurrenzen, end» lieh Objekte aus dem Ge= biete der Sportfifcberei zu nennen. In vollem Maße ge» würdigt von Jägern und Fachleuten auf dem Ge» biete der Waffentechnik Skelett des Vollblutbengftes »Perfimmon«. Pavillon »Großbritannien« Nach einer Aufnahme des «Country-Life«, London. waren die Erzeugniffe der englifchen Waffeninduftrie, welche von den erften Firmen des Infelreicbes zur Expofition gebracht worden find. Übergebend zu den Jagdtrophäen, die dem britifeben Pavillon ein eigenartiges, bedeutfames Gepräge verlieben, fei er» wähnt, daß das Komitee beftrebt war, eine möglicbft komplette Sammlung der Trophäen von allen, im weiten britifeben Reiche vorkommenden Großwild» Spezies zur Ausftellung zu bringen. Diefer Stand» punkt fand allerdings im Lande nicht allgemein Anklang. Er hatte nämlich zur Folge, daß viele der febönften in Eng» land vorhandenen, von britifeben Jägern erbeuteten Trophäen von der Ausftellung ausgefchloffen werden mußten, um Raum für die nach obigem Gefichtspunkte zufammengeftellte Kollektion freizuhalten. Die erfte Fachauto» rität auf diefem Gebiete, Mr. Lydekker, lieferte über Eriucben des Komitees eine Lifte der nach obigem Grund» fat3 in Betracht kommenden Trophäen, welche 165 Spezies nachwies. Von diefen waren gegen 150 in einem 40 Löwe, Pavillon »Großbritannien«.