Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424
I. TEIL. Der Führer durch die Ausstellung. Von Dr. Adolf Stengl, k. k. Forstrat
Der Führer durch die Fíus ítellung. furnierten Sit}möbel bildete. Eine Kaminecke gab dem Raum ein intimeres Gepräge. Huf der anderen Seite der oberen Halle befand fich das Wohnzimmer einer jungen Dame mit anfcbließendem Scblafalkov und erhöhtem Mufikerker. Das Gebäude felbft war alten Jagdfcblöffern in England nachgebildet. Im allgemeinen glatt gehalten, verdankte es feine Wirkung bauptfäcblicb dem Turme, dem fteilen Schindeldach und feinem etwas reicher bildbauerifch bebandelten Steinportal. Die Hvenue der Ernährung zur Linken liegen laffend, beim Kiosk der Tabakfpezialitäten--Trafik und dem Pavillon »Goldenes Buch«, dann beim Poft-- und Telegrapbenamte und dem Bank-- und Tbeaterkartenbureau vorbei, führte eine Zeile nach der Feftftraße. Hier fiel linker Hand febon durch feinen äußeren Dekor der fchmucke, von Hrcbitekt k. k. Baurat Hlexander Décfey entworfene Pavillon der Pelzverwertung auf. Der Bau, mit feiner Längsacbfe der Straße entlang angeordnet, hatte vor der Eingangstür einen giebelgekrönten Säulenvorbau, beiderfeits fecbseckige Türme, deren Hußenwände in ihren unteren Feldern mit wirkungsvollen Basreliefs verkleidet waren. Die Bildwerke ftellten Szenen aus dem Jagd--, Fangund Pelzgewinnungsbetriebe in den überfeeifeben Ländern dar. Diefe Sonderausftellung verfolgte den Zweck, neben der Vorführung fchöner und feltener Pelzwaren der Öffentlichkeit zu zeigen, welch wichtigen Faktor die Pelzverwertung in der Jagdwirtfebaft darftellt, wie mannigfaltig die Produkte diefes Induftriezweiges find und welchen Werdegang das meift unanfebnliche und Pavillon »Pelzver Wertung« fpröde Tierfell durchmachen muß, bis es feinem Zwecke als Pelzwerk zugeführt werden kann. Dies betreffend fei beifpielsweife auf ein unfebeinbares, gefprenkeltes Fell, wie es an der Küfte des Ozeans erbeutet wird, hingewiefen. Erft nach der Gerbung und nachdem das ftruppige Oberbaar vorfiebtig ausgerupft worden ift, fiebt es bereits mehr verfeinert aus — ein mattgelbes Pelzwerk, weich und wollig zu greifen, welches tief dunkelbraun gefärbt, den vielbegebrten, teuren Sealskin liefert. Ähnlich wie bei diefem, veranfcbaulicbte die flusftellung den Werdegang einer Pelzforte nach der anderen, von der teuerften bis herunter zum vielbegehrten Sealbifam, den Erfatj für den im Preife ungleich höher ftebenden, früher erwähnten, echten Sealskin. Der Innenraum zeigte in gefcbmackvoller, den Farben nach wohltuend abgetönter Gruppierung Bälge und Felle der Pelztiere aller Weltteile und zwar wie erwähnt in verfcbiedenen Stadien ihrer Verarbeitung fowie unter Vorführung verfcbiedener Farbenvarietäten und Spielarten. Eine befondere Sorgfalt wurde auch auf die Demonftrierung der Verfcbiedenbeiten gleichartiger Felle aus den verfcbiedenen Weltgegenden und Teilen derfelben gelegt. Man konnte den Unterfcbied zwifcben den Otterfellen aus Europa, FHien, Süd-- und Nordamerika bis zu feltenen Stücken der Seeotter aus 1'' — deren Wert viele Taufende von Kronen erreicht, wahrnehmen. Ebenfo lernte man den Unterfcbied kennen zwifcben den Rotfücbfen aus Europa, flfien, Amerika und fiuftralien; fah die Verfchiedenartigkeit der Weiß-, Kreuz- und Blaufücbfe nach ihren Herkunftsländern, dann herrliche Exemplare von Silber- und Scbwarzfücbfen in Einzelwerten von 1000 bis 12.000 Kronen etc. Reichlich vertreten waren die übrigen edlen Fellgattungen, ^ wie fibirifcber Zobel, amerikanifcber Zobel aus j den hoben Regionen des Nordens, die jet)t fo rar gewordenen Cbincbillafelle, Hermelins, Skunks, alle Mardergattungen uff. Die organifch gefügte Reibe diefer Exponate fand ihren Flbfcbluß in der Vorführung der legten Stadien der Pelzverarbeitung, der fertigen Kürfcbnererzeugniffe, von denen in einzelnen Vitrinen der Eckräume einige Schöpfungen der legten Pelzmode und einige praktifcbe Pelzftücke (Reife-, Jagd-, Hutomobilpelze etc.) unterIndianer mit Wolf. Pavillon »Pelzverwertung« 38 Eskimo mit Vielfraß. Pavillon «Pelzverwertung«