Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424
II. TEIL. Die Ausstellung und das Jagdwesen - III. ABSCHNITT. Die Jagd in ihren Beziehungen zu Handel und Verkehr, zu Industrie, Kunst und Gewerbe
Die Kunit und das Kun ítgewerbe. Von allen diefen Meiftern waren in unferer Ausftellung Werke zu ieben; fie hatten folche auch fpeziell hierfür vollendet. Und war es des Raummangels halber auch nicht möglich, einen Überblick zu bieten über all das Prächtige und Wunderbare, was diefe Männer im Laufe der Jahre gefchaffen, fo bot diefe Expoiition im Kunftpavillon doch wenigftens ein Bild des reicblicbften Könnens und gab ficberlich eine Fülle von Anregungen allen denen, die in der Ausftellung etwas lernen wollten. Hier kam es auch deutlich zum Ausdrucke, daß in der jüngften Zeit die Zahl jener Künftler bedeutend zunimmt, die das Motiv der Jagd gerne zum Vorwurfe nehmen; war es doch ein friedlicher Wettftreit deutfcher, franzöfifcher undöfterreichifcber Maler und Bildhauer, die alle zeigten, wie dankbar es einerfeits fei, ficb ein mit der Jagd in Verbindung ftehendes Sujet zu wählen, anderfeits welche Weidblätter mit Weidgefteck. Deutfcbes Jagdfcbloß. Fülle an Themen das Gejaid bietet, fo daß ja fcbließlich jeder in diefem Genre zur Geltung kommen kann. Selbft die Modernen und auch die der extremften modernen Richtung angehörenden Künftler hatten es nicht verfcbmäbt, ficb zu beteiligen und hierdurch zu beweifen, daß das Gebiet der Jagd und ihres Betriebes ein überaus großes ift, das jedem Meifter reicblicbft Gelegenheit bietet, Motive aus diefem Kreife zur Darfteilung zu bringen. Möge darum diefe Veranftaltung der Anfporn zu eifrigfter Betätigung in diefem unterem Sinne geworden fein; die Jagd, die das Leben und Streben des echten Weidmannes ausmacht, fie foll auch befruchtend wirken auf die fcbaffende Kraft unferer bildenden Künftler; fie ift es wahrhaftig wert, auch dem größten Meifter ein Motiv zu geben und fo die Anregung und Urfacbe zu fein für noch manch prächtiges Kunftwerk der Zukunft! So wie in der Kunft, fo ging es auch im Kunftgewerbe. — Schon aus der frübeften Zeit find kunftgewerblicbe Gegenftände erhalten, welche auf die Jagd Bezug haben — meift Dinge des täglichen Gebrauches; doch blieben dies auch hier nur Einzelheiten, da die Symbolik der Jagd erft fpäter zur öfteren Darfteilung gelangte. In den älteften Tagen, zur Zeit der Ägypter, der Affyrier und Babylonier findet ficb die Verwendung eines jagdlichen Motives nur äußerft feiten, fo auch bei den Indiern und Cbinefen. — Etwas häufiger ift dies dagegen bei den Japanern der Fall, deren kunftgewerblicbe Gegenftände reichlich mit Malerei und Reliefdarftellungen gefchmückt erfcbeinen. — Hauptfächlicb find es zwar dem Leben entnommene Figuren in bizarren Zügen, doch brachten auch fie — und dies ganz befonders in ihrer fo bedeutenden Porzellaninduftrie zur Bemalung des roten oder fcbwarzen Lacküberzuges der Gefäße — kleine Vögel oder die Schildkröte, den langbeinigen Kranich aber auch Wildzeug als Motive in Anwendung. Im Abendlande fpielte die Jagd keine große, die Erzeugniffe des Kunftgewerbes beeinfluffende Rolle und dies mehr noch bei den Römern als bei den Griechen. In der Zeit des altcbriftlicben fowie auch des mobammedanifcben Stiles war, entfprechend der Natur diefer Zeitperiode, eine rege Betätigung in gedachtem Sinne nicht wahrnehmbar. Erft mit dem Auftreten des ro= manifcben und des fogenannten Übergangsftiles fetjtc — fo wie dies auch fo ziemlich gleichzeitig in der Kunft der Fall war — eine etwas häufigere Verwendung jagdlicher Sujets ein; wie getagt, etwas häufiger, — denn der Hauptfache nach blieb es auch hier in erfter Linie bei der Wiedergabe kirchlicher und religiöfer Motive. — Nur die Goldfcbmiedekunft befaßte ficb öfter mit der Verwertung weidmännifcher Embleme. In der nun folgenden Periode Plaftik. Deutfcbes Jagdfcbloß der Gotik war das Feld fcbon ein ausgedehnteres und reichlicher ergaben ficb die Gelegenheiten zur Anbringung von auf die Jagd Bezug nehmenden Motiven. — Figuren wilder Tiere kommen meift als Wafferfpeier vor, auch bei Kronleuchtern und Türfchlöffern werden fie angewendet. Als dann die Renaiffance ihren Einzug hielt und die antike Kunft in neuer Form ihre Wiedergeburt feierte, kam auch ein weltlicherer Zug in die Kunft und das Kunftgewerbe; das Streben nach heiterem, lebensvollem Schmucke macht ficb allüberall geltend. — Und fo wie bei der italienifcben Renaiffance die Ornamentik im Baue ftarke Verwendung findet, fo ift es auch bei den Gerätfchaften und Luxusgegenftänden. — 156