Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

II. TEIL. Die Ausstellung und das Jagdwesen - III. ABSCHNITT. Die Jagd in ihren Beziehungen zu Handel und Verkehr, zu Industrie, Kunst und Gewerbe

Die Kunit und das Kun ítgewerbe. Tiergeftalten, namentlich Vögel, Jagd- und fonftige Embleme finden vielfach Verwertung; die Scbmiedekunft wie auch Tifcblerarbeit der damaligen Zeit ift reich an derartigen Beifpielen, aber auch in den Sgraffiten und Steiniellos der Stuckwerkgebäude werden Jagdmotive angebracht. In der deutfcben Renaiffance finden ficb des öfteren jagdliche Sujets bei den Reliefornamenten eingeftreut, welche anfangs nur in Metall und Leder, fpäter aber auch in Holz und Stein zur Ausführung gelangten. — Befonders bei Türauffätjen finden fie ihre Anwendung; diefe find orna­mental gegliedert und enthalten meift ein Wappen mit Scbmuck­werk; auch verfcbiedene Gefäße undKannen fowie die Türklopfer tragen Jagdembleme. — Er­wähnt fei hier der große Ein­fluß, den der jüngere Holbein auf das Kunftgewerbe genom­men; er war es, der damals die neue Formen welt der Renaiffance zur Einführung brachte und feiner hervorragenden Beteiligung find fo manche prächtige Werke der Goldfcbmiedekunft fowie zahl­reiche Entwürfe für Glasgemälde zu danken. Das war ja auch die Zeit, in welcher die Glasmalerei in' böcbfter Blüte ftand und das Juwelen, Gold- und Silberwaren. Pavillon »Kunftgewerbe-. ganz befonders in der Schweiz. Gerade auf diefem Gebiete findet man nun auch eine ganze Menge jagdlicher Motive angewendet; als bedeutendftes Exempel mag das Schütjenbaus zu Bafel die­nen, in welchem ficb eine Fülle folcber Glasmalereien findet. Die nun folgende Periode des Barockftiles, der fcbnörke­ligen und buckligen Formen, in welcher das Streben nach mäch­tigen, impofantenEindrücken und nach Großartigkeit der Verbält­niffe ftark in den Vordergrund trat, kann gleichfalls nicht als ungünftig bezeichnet werden. Das Jagd- und Tierornament erhält reichliche Verwertung, in gefcbwungenen Formen wird es an allen möglichen Gegenftänden des Kunftgewerbes angewendet. Die Lage verbefferte ficb aber noch zu­febends, als zu Beginn des XVIII. Jahrhunderts — hervorgerufen durch die Sucht nach großer Zierlichkeit der derbe Barockftil vom zarten Rokokoftile abgelöft wurde. Das Rokoko, das ja urfprünglicb nur als ein Zierftil für die Innenräume, fpeziell für Möbel gedacht war, beftand ja in der durchgeführten Belebung des Rabmenwerkes. Und war es da begreiflicherweife naturaliftifcbes Pflanzenwerk, das in erfter Linie zur An­wendung kam, fo wurden auch oft Jagdgeräte und Jagdbeuten — zierlich formiert — als Emblem verwertet, was befonders für Möbel gilt. Als aber dann fpäter der Empireftil folgte — als man ficb an den unruhigen Schnörkeln des Rokoko fattgefehen hatte und ficb nach, einfacheren Formen zu fehnen begann, da trat eine ganz bedeutende Stagnation in der Verwertung jagdlicher Motive ein. Ruhige Formen wurden angeftrebt, die Verzierung trat in den Hintergrund und kam es auch zu großer Prachtentfaltung, fo war doch dabei möglicbfte Einfachheit in der Ausführung die Grundbedingung. Nur auf das Material kam es an, die Durchbildung blieb fcblicbt; Jagd und Hund kamen dabei nicht zur Anwendung. Und immer mehr und mehr verfcbwand jeder Schmuck, ein äuß^rft nüchterner, anfprucbslofer Gefchmack fcbuf ficb Bahn. Es kamen bloß die allereinfacbften Formen in Verwendung, Zieraten ver­fcbwanden gänzlich. An den Geräten ift alles quadratifcb, rechteckig oder zylindrifch, es gibt kein Ornament mehr; der nüchterne Stil der Zwanziger­bis Vierzigerjahre des XIX. Jahr­hunderts — der Stil der Bieder­meierzeit — hatte alles Schmük­kende verbannt und verdammt. Die Darftellung jedwedes Figuralen — alfo auch der Jagd und ihres Betriebes — fand kei­nen Boden mehr. Bosnifcbes Kunftgewerbe. Pavillon -Bosnien und Herzegowina­Da trat dann in den Fünf­zigerjabren der Wandel ein, man war der Formenarmut wieder müde geworden und fucbte Le­ben in die Objekte zu bringen. Hatte anfangs die Antike noch­mals neu aufgelebt, fo griff man fpäter auf die mittelalterlichen Stile — den gotifchen und den romanifcben — zurück. Daneben kam aber auch die italienifche Renaiffance wieder zur Geltung und in den Siebzigerjabren war es dann die deutfche Renaiffance, welche faft ausfchließlich das Feld beberrfcbte und zu neuem An­feben kam. Bei jeder beffer eingerichteten Familie mußte wenigftens ein Wohnraum altdeutfcben Charakter tragen. Schließlich erfcbienen auch der Barockftil und das Rokoko wieder auf der Bildfläche und fogar der mobammedanifcbe Stil lebte in einzelnen Fällen wieder auf! Kurzum alle Stilarten wurden jetjt angenommen und da blieb es wohl nur eine felbftverftändlicbe Sache, daß auch die Jagd wieder zu Ehren kam und reichliche Verwendung als Dekorationsmotiv fand. 157

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