Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

II. TEIL. Die Ausstellung und das Jagdwesen - III. ABSCHNITT. Die Jagd in ihren Beziehungen zu Handel und Verkehr, zu Industrie, Kunst und Gewerbe

Der Handel und der Verkehr in ihren Beziehungen zur Jagd. Der Handel und der Verkehr in ihren Beziehungen zur Jagd. Von Dr. Heinrich Ritter von Wittek. D ie Welt am Ende des XIX. Jahrhunderts fteht unter dem Zeichen des Verkehrs — mit diefem lapidaren Satje hat Kaifer Wilhelm II., der treuerprobte Bundesfreund unferes geliebten Monareben, gleich Ihm ein dem edlen Weidwerk huldvoll geneigter und dasfelbe eifrig pflegender Herrfcber, dem unfere Jagdausftellung warme Anteilnahme und werktätige Förderung verdankte, eine der mäcbtigften Triebkräfte und Errungenfcbaften des Kulturlebens der Gegenwart gekennzeichnet. Auch die Jagd ftebt heutzutage im Zeichen des Ver­kehrs. Er ift maßgebend für Art und Umfang ihrer Aus­übung, die von ihm zum großen Teile abhängt. Er dient aber weitaus überwiegend den Bedürfniffen des wirtfcbaftlicben Lebens und vor allem den Zwecken des Handels, deffen Umfä^e den Anftoß und Nährboden für die Funktion der Verkehrsmittel abgeben. So befteben zwifeben Jagd, Verkehr und Handel mannigfache Beziehungen, zumal die Verwertung der durch die Jagd gewonnenen Güter und die Herbeifcbaffung der zur Ausübung der Jagd erforderlichen Hilfsmittel und Verbraucbsgegenftände den Handel in ver­miedenen Zweigen befebäftigt. Neben der Vervollkommnung der Scbießwaffen ift es in erfter Reihe die Entwicklung der Verkehrsmittel, welche die Jagd beeinflußt und ihrem Betriebe in der Gegenwart fein eigenartiges Gepräge aufdrückt. Wohl ift die mit der fortfebreitenden intenfiveren Landeskultur einbergebende Verbefferung der Transport­mittel an und für fich der Jagd keineswegs förderlich. Das freie Tierleben wird durch Befiedelung, Lichtung der Urwälder, Befchränkung der Heiden, Moore und Inundationsgebiete der Wafferläufe, Anlage von Straßen und Eifenbabnen immer mehr beengt und zurückgedrängt. Nur teilweife vermag dafür eine pflegliche Be­handlung des Wildftandes der in den Kulturländern vielfach von allgemein zugänglichen Kommunikationen durebfebnittenen Jagdreviere Erfat) zu bieten. Die primitiven Groß- und Raubwildarten, Ur, Elch, Steinbock, Bär, Luchs find in den europäifchen Kulturländern teils febon ganz verfebwunden, teils zumeift dem Untergange geweiht. Die transkontinentalen Scbienenftränge Nordamerikas haben den Anftoß zur Ausrottung der Bifon­berden geboten, die vordem in unzähligen Scharen die Wildniffe zwifeben dem oberen Miffouri und der Sierra Nevada bevölkerten. Kümmerliche Beftände, Refte diefer mächtigen Wildrinder werden, nachdem man fich in den Ver­einigten Staaten der febweren Nachteile foleb unweidmännifeber Verwüftung bewußt geworden war, die das Berufsjägertum bei den gebildeten Ständen in Verruf gebracht hat, im Yellow­ftone-Nationalpark und in privaten Tiergärten künftlicb fort­gefriftet. Anderfeits, und zwar vom Standpunkte des Jägers be­trachtet, bat die Ausübung des Weidwerkes durch die ver­befferten Verkehrsmittel vielfache Förderung erfahren. »Jagd« hängt mit »Jagen« zufammen. Urfprünglich wobl von derrafeben Verfolgung des flüchtenden Wildes hergeleitet, bat das Wort noch jetjt, wo die graufamen Het}jagden zumeift abgekommen find, feine Bedeutung, wenn auch in übertragenem Sinne, be­wahrt. Die rafebe Ortsveränderung, um in die Nähe des Wildes zu kommen, ift für den Jagdbetrieb noch immer ebarakteriftifeb. Doch find an die Stelle der die beimifeben Wälder und Fluren durchziehenden Jagdritte fürftlicber und adeliger Jagdberren mit ihrem Gefolge die Jagdfabrten der nun­mehr auch in anderen Ständen, nicht zum wenigften in den gelehrten Berufskreifen, zahlreichen Jagdfreunde und Jagdliebbaber getreten, welche ihr Weidwerk oft weit entfernt vom Wohnorte pflegen. ElcfvScbaufler. 16 II. Teil. 121

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