Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424
II. TEIL. Die Ausstellung und das Jagdwesen - III. ABSCHNITT. Die Jagd in ihren Beziehungen zu Handel und Verkehr, zu Industrie, Kunst und Gewerbe
c^li^ Der Handel und der Verkehr in ihren Beziehungen zur Jagd. Dampfer des Öfterreichifeben Lloyd. Der Verkehr der Jäger. Die Benutzung der heutigen Scbnellverkebrsmittel, die es ermöglichen, weite Entfernungen ohne übermäßige Anftrengung und Koften in kurzer Zeit zurückzulegen, bat dem Jagdbetriebe neue Wege eröffnet. Eifenbabnen und Automobile führen die jagdfreunde rafcb und fieber nach den im Bereiche der Verkebrsftraßen oder in deren Nähe gelegenen Jagdrevieren des Inlandes, fowie des benachbarten Auslandes. Die transozeanifeben Dampferlinien fetjen den zu jagdlichen Zwecken dienenden Verkehr nach den Jagdgründen ferner Weltteile fort. Der Aktionsradius des mitteleuropäifcben Jägers reicht, fofern für ihn der Koftenpunkt nicht in Betracht kommt, bis in die Tropenzone des afrikanifeben Kontinentes, bis Indien und Hocbafien, bis Spitzbergen, Franz Jofepbs-Land, Grönland, Kanada und Alaska. Mit der Erfcbließung der inneren Gebiete der überfeeifeben Neuländer durch die Pioniere der Kolonifation, durch die Anlage von Bahnen, die in das Herz der Wildnis eindringen und durch die Benutzung der Wafferläufe zur Einrichtung von Scbiffabrtsverbindüngen mit den vorgefebobenen Anfiedlungspoften gebt, geftütjt auf die hiernach gefchaffenen notdürftigen Exiftenzbedingungen, Hand in Hand die fortfebreitende Ausdehnung des Gebietsumfanges, in welchem europäifcbe Jagdfreunde, wenn auch unter Entbehrungen, Mübfalen und Gefahren aller Art, den vor der Annäherung des Menfcben immer weiter zurückweichenden Hochwildarten der tropifeben wie der arktifeben Region unverdroffen und erfolgreich nacbftellen. Die Ergebniffe diefer Jagdexpeditionen haben in der Tropbäenfcbau, wie im Gebäude der Exotifchen Jagd, im Englifeben und Kanadifchen Pavillon reizvolle Zierden unferer Ausftellung gebildet und mit vollem Grund die regfte Beachtung feitens der Befucber auf ficb gezogen. Von jabr zu Jahr mehren ficb die zu jagdlichen Zwecken unternommenen Fernreifen unferer weidmännifeben Koryphäen, denen ficb anfangs 1911 auch ein regierender Souverän, König Friedrich Auguft III. von Sacbfen, durch einen jagdausflug nach dem Sudan und den oberen Nilgebieten beigefellt bat. Eigene Unternehmer befaffen ficb mit der Ausrüftung und Organifation diefer neuen jagdlichen Betätigung. Schon ift es bei der Häufigkeit und Ergiebigkeit foleber Jagdzüge für die Kolonialverwaltungen nötig geworden, einfebränkende Beftimmungen zur Schonung der exotifeben Wildbeftände zu treffen. Diefe find in der Tat von der Gefahr der Ausrottung bedroht, feit Repetiergewehre und Expanfivgefeboffe nicht nur bei den europäifeben, fondern auch bei den einbeimifeben Jägern Eingang gefunden haben. Die Kolonialbebörden faben ficb dadurch veranlaßt, die Jagdausübung in ihren Gebieten nur gegen Löfung einer Lizenz und Erlag namhafter Gebühren zu geftatten, die Höcbftzabl der auf Grund foleber Erlaubnisfcbeine zu erlegenden Stücke beftimmter febonungsbedürftiger Wildgattungen feftzufetjen und die Übertretung der zum Schule der Wildbeftände er- Schneehütte. Pavillon »Kmunke«. laffenen Vorfcbriften mit ftrengen Strafen zu ahnden. Aber auch in den mitteleuropäifcben Ländern und insbefondere in Öfterreicb-Ungarn ftebt die jagdausiibung mit den modernen Verkehrsmitteln in engem Zufammenbange. Die Zeiten find vorüber, in denen das Schwergewicht des Jagdbetriebes auf der eigenen Jagdausiibung feitens der landiäiiigen, hierzu bevorrechteten, meift adeligen Gutsbefitjer beruhte und das Hauptkontingent der Schüben vom Gutsherrn und den Gutsnacbbarn unter Heranziehung der berrfcbaftlicben Bedienfteten, der Honoratioren der Umgebung iowie der Offiziere des näcbften Garnifonsortes geftellt wurde. Heute müffen zu Jagdzwecken im Inlande und in den benachbarten Ländern von den jagdfreunden, die großenteils fern von den Jagdrevieren wohnen, mitunter ganz anfebnlicbe Fernfahrten von Hunderten von Kilometern unternommen werden. Wiener Jagdberren haben Reviere in Steiermark, Kärnten, Krain, Galizien, Ungarn. Gerngefebene und vieleingeladene jagdgäfte verbringen oft einen guten Teil der berbftlicben und winterlichen Jagdfaifon im Eifenbabnzuge. Im engeren Umkreis der Reicbsbauptftadt und der Landeshauptftädte ftellen in der Jagdfaifon auch die Sonntagsjäger ein anfebnlicbes Kontingent zur Frequenz der Morgen- und Abendzüge der Lokalftrecken, in denen ihnen famt ihren treuen vierbeinigen Begleitern die fürforglicben Bahnverwaltungen eigene Wagen oder Wagenabteile vorzubehalten pflegen. Trophäen aus Britifcb=flfrika. Pavillon »Großbritannien«. Die Jagd als Gegenftand des Handelsverkehrs. Die Jäger find mobil geworden. Ebenfo auch die Jagd felbft. Vordem nur als Zugebör des Großgrundbefitjes mit diefem in ftarrer Unbeweglicbkeit verbunden, find Jagden und Jagdrechte derzeit Gegenftand eines ausgebreiteten Handelsverkehrs, jagdpachtungen und Abfcbußbefugniffe werden von Inhabern 122