Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

II. TEIL. Die Ausstellung und das Jagdwesen - II. ABSCHNITT. Die Jagd und deren Betrieb

Das Pferd und die Jagd. Auch heute fteht das Pferd voll und ganz zu Jagdzwecken in Verwendung. Auch heute kennen wir, wie ehedem, doch dies in ausgedehnterer Weife, den Ritt hinter dem Wilde, die Parforcejagd; wir unterfcheiden, wie ehedem, verfchiedene Jagdmethoden, fo beifpielsweife die franzöfifche und die englifche Parforcejagd, die durch genaue Regeln feftgelegt find, wobei es fich bei der einen mehr um Schnelligkeit und das Reit­vergnügen, bei der anderen mehr um den rein weidmännifcben Teil nach feftftebenden Regeln und Gefe^en bandelt. Wir kennen beute ausgeprägt die Parforcejagd hinter dem Hirfch, dem Fuchs, dem Hafen, dem Schwarz­kittel, der Wildfau, ja fogar hinter dem Wolf, und dies alles trotj oder ungehindert der zunehmenden Kultur, die das Parforcejagen als folches zwar erfcbweren, aber demfelben niemals hindernd entgegentreten konnte. Wir haben ja beute noch paffionierte Parforcereiter, die alles daran fetjen, ihre Liebe und Luft im roten oder grünen Rock zu betätigen, ja es ift, wie beifpielsweife in England, diefe Art zu jagen beinahe eine nationale Sitte geworden. Aber nicht bloß zur Ausübung der Jagd unter der Flagge des heiligen Hubertus diente das Pferd dem Menfcben, auch mancher alternde Jäger, der fich noch nicht veranlaßt fühlt ganz auf das Jagdvergnügen zu verzichten, braucht und benütjt das Pferd, fei es das Tragtier, fei es das Pony, als Fortbewegungs­mittel auf der Jagd zur Hilfe und Unter­ftüt)ung feiner abnehmen­den Muskelkräfte. Jn ver­febiedenen Jagdarten ift es trotj der heute febon überband nehmenden Technik doch immer noch das Pferd, welches hel­fend dem Jäger zur Seite fteht, womit angedeutet werden foll, welch weit­gebende Verwendung es im Jagdbetriebe findet, und damit foll auch zum Ausdruck gebracht wer­den, daß Pferd und Jagd auch in unteren beutigen Tagen noch voll und ganz, eng und innig miteinan­der verknüpft find. Der weite Umfang, in welchem von vorne­herein die Erfte Inter­nationale Jagdausftellung herangetreten werden konnte, von Seite der leitenden Kreife noch eine Reibe von Vorfragen zu beantworten, galt es ja in erfter Linie der Platjfrage Rechnung zu tragen. Erft nachdem diefe fo hochwichtige Angelegen­heit in zufriedenftellender Weife erledigt war, konnten die Vorbereitungen zur Pferdeausftellung getroffen werden. Die Überfülle der Arbeiten, und das, was zu leiften war, hatten es mit fich gebracht, daß die vor­erwähnten Vorfragen erft anfangs Jänner 1910 zu einem erfprießlieben Refultat führten und daß erft mit Jänner 1910 die Durchführung der Pferdeausftellung in Angriff genommen werden konnte. Se. Exzellenz Heinrich Graf Larifcb, der fich diefer febwierigen Aufgabe unterzogen hatte, trat an die Spitje des Pferdeausftellungswefens und umgab fich mit einem Exekutivkomitee, beftebend aus Durchlaucht Taffilo Fürft Feftetics, Ihren Exzellenzen Franz Graf Clam-Gallas, Dominik Graf Hardegg, dann Rudolf Ferdinand Graf Kinsky und Wenzel Ritter v. Zaleski. Vorerft mußte man fich darüber Klarheit verfebaffen, in welcher Art und Weife überhaupt die Pferdeausftellung zur Durchführung gelangen follte, war man doch in neuefter Zeit bei großen Austeilungen, gerade was die Pferdeausftellungen anbetrifft, gewohnt, nach zweifacher Richtung hin vorzugeben. Es war möglich, das Pferdeausftellungswefen in einer großen, gemeinfamen, länger an­dauernden Vereinigung in gleichzeitiger Darftellung vorzuführen, wie dies bisher bei internationalen Austeilungen die Gepflogenheit und der Gebrauch war, oder aber das Prinzip der temporären Aus­teilungen zu wählen, die abgegrenzt und aufeinanderfolgend ein ftets fich erneuerndes, abgefcbloffenes Bild der betreffenden Gebrauchsart, fowie immer neue Anregungen zu bieten und fomit ftets neuen Anreiz zu febaffen vermögen. 110 Falkenjagd. Aus einer franzöfifeben Handlchrift der k. k. Hofbibliotbek, Milte des XV. Jabrbundertes. geplant war, die weiten Gefichtspunkte, die von den leitenden Kreifen, von den Schöpfern der Idee aufgeteilt wurden, ließen es wohl als felbft­redend erfebeinen, daß bei der Abficbt, die Jagd und alles was mit der­felben in Verbindung fteht, durch die Aus­teilung zu veranfehau­licben, auf das Pferd, den fo hochwichtigen Faktor beim Betriebe der Jagd, nicht wird vergeffen wer­den können, und darum war zuförderft in Aus­ficht genommen, der Ver­anfebauliebung der Ver­wendungsarten des Pfer­des zu Jagdzwecken den größtmöglichen Platj ein­zuräumen. Zu diefem Zwecke waren, bevor an die In­angriffnahme und die Durchführung derPferde­ausftellung als folebe

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