Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

II. TEIL. Die Ausstellung und das Jagdwesen - II. ABSCHNITT. Die Jagd und deren Betrieb

Das Pferd und die Jagd. Von Dominik Graf Hardegg. D ie Verwendung des Pferdes zur Jagd reicht bis in die erfte Epoche gefchichtlicher Hufzeichnungen, ja fie führt noch weiter zurück in die Zeit der Sagen und Mythen. Seitdem das Pferd domeftiziert, d. h. dem Menfcben als Haustier dient, finden wir dasfelbe ftets auch zu Zwecken der Jagd dienftbar gemacht. Die älteften Skulpturen und Bildwerke, die uns überkommen find, zeigen in mancher Richtung diefe Ver­wendungsart, und von welch hoher Wichtigkeit der Gebrauch des Pferdes bei der Jagd war, das läßt ficb wohl leicht verfinnlichen, wenn man ficb jene weit zurückliegen­den Zeiten zu vergegenwärtigen trachtet, zu welchen bei der primitivften Lebensweife der damals noch unzivilifierten Völkerfcbaften die Jagd es hauptfäcblicb oder ausfcbließlicb war, die der Ernährung und Führung des Haushaltes diente. Damals war das Pferd in feiner Verwendung zur Jagd ein hilfreicher Mitarbeiter bei Begründung und Führung der eigenen Exiftenz fowobl wie der Familie und Sippe, und darin mag fcbon die Erklärung dafür liegen, daß die erften Erwähnungen, die uns über das Pferd in feiner Verwendung zur Jagd zukamen, in überfcbwenglicber Weife die Eigen­febaften des Pferdes preifen, des fo treuen und erfolgreichen Freundes bei Ausübung der Jagd. Bei allen Völkerfcbaften und Volksftämmen, bei welchen das Pferd als Haustier gehalten wurde, ift es auch zur Jagd verwendet worden und dies ununterbrochen fortfebreitend bis auf den beutigen Tag, wo Verwendungsart und Verwendungs­weife, wie ficb dies im Laufe der Zeit von felbft ergab, einer gänzlichen Umwandlung unterzogen wurden und wohl unter­zogen werden mußten. Das ferne Altertum übergebend, feben wir bereits auf unterem Kontinente im Mittelalter, zur Zeit des Rittertums die Verwendung des Pferdes hoch erblühen, zu einer Zeit­epoebe, in welcher das Pferd wohl aucb fcbon nach jeder Richtung hin in hohem Wert und in bober Bedeutung ftand. Der Name und Begriff des Ritters und des Rittertums bringen es ja mit ficb, daß ein Ritter ohne Pferd wohl kaum zu denken ift, fowie aucb beute ein Kavallerift nur zu Pferde veranfebauliebt werden kann. Das Rittertum im Mittelalter brachte die hohe Pflege und Hege des Pferdes mit ficb; das Reitertum als folebes fand feine feftgeregelte Begründung und aucb das edle Weidwerk gelangte zu diefer Zeit zur vollften Entfaltung und Blüte. Durch die Kreuzzüge war man aus unteren Breiten heraus mit dem Orient in engere Fühlung getreten und da lernten untere Kreuzfahrer den Wert wohl erkennen, welcher in dem flinken, leicbtbeweglicben orientalifeben Pferde zu fueben war und fo manches erbeutete orientalifebe Pferd wurde von den Kreuz­fahrern als bocbgefcbät3te Beute in die eigene Heimat zurückgebracht, wofelbft deffen hoben Vorzüge zur vollen Würdigung kamen. Ganz befonders zu Jagdzwecken wurde das orientalifebe Pferd im Mittelalter hoch gefcbätyt, worüber eingebende Aufzeichnungen vollen Auffcbluß geben. Die edle Wertfcbätjung, welche im Rittertum der Minne und der edlen Weiblichkeit entgegengebracht wurde, brachte es, wie dies allenthalben der Fall ift, mit ficb, daß das Wertvollfte der hoben Frau zu Füßen gelegt wurde, fo aucb das wertvollfte Pferd, der importierte Orientale, um dem Burgfräulein oder der edlen Rittersfrau zu Reitzwecken zu dienen. Wenn wir den Schilderungen folgen, die über die Falkenjagd oder den Ritt hinter der läutenden Meute auf uns überkommen find, fo entrollt ficb ein reizendes Bild von form­vollendeter Verwendung des edlen Pferdes in der Jagd, wie fie zu Ritterszeiten Gepflogenheit war. Mit dem Verfcbwinden des Rittertums änderte ficb, was die Jagd anbelangt, die Verwendungsart der Pferdes und fo änderte fie ficb bis zum beutigen Tage. 109 Saujagd zu Pferde. Relief vom Triumphbogen des Kaifers Konftantin in Rom.

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