Gertrude Enderle-Burcel, Dieter Stiefel, Alice Teichova (Hrsg.): Sonderband 9. „Zarte Bande” – Österreich und die europäischen planwirtschaftlichen Länder / „Delicate Relationships” – Austria and Europe’s Planned Economies (2006)
Christoph Boyer: Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Österreich und der Sowjetischen Besatzungszone in Deutschland (SBZ) bzw. der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) (1945-1989/90)
schwierig war es fur die DDR auch, gegen die Konkurrenz westdeutscher Unternehmen und deren vorzüglich ausgebauten Serviceorganisationen zu bestehen.26 6. Überhaupt blieben, ungeachtet des Wachstumstrends im Osthandel, die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und insbesondere die Bundesrepublik Deutschland wichtigste Handelspartner Österreichs; Lösungen für die Probleme der Modernisierung, Rationalisierung und Spezialisierung der österreichischen Wirtschaft wurden in erster Linie im Rahmen der Kooperation mit den „kapitalistischen“ Ländern Mittel- und Westeuropas gesucht. Verbot die offizielle Neutralität auch eine Lösung jenseits einer Zollunion, war eine Vollmitgliedschaft vorerst auch nicht möglich, so forderte die österreichische Regierung doch die Beziehungen zur Europäischen Gemeinschaft im Allgemeinen und zu Westdeutschland im Besonderen. 1965/66 stimmte Österreich der Übernahme des Außenzolltarifs der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft zu, mit dem einzigen Vorbehalt, dass den RGW-Staaten günstigere Bedingungen als anderen Drittländern eingeräumt werden sollten. 1968 setzte eine gewisse Desillusionierung hinsichtlich der Möglichkeiten enger wirtschaftlicher und politischer Bindungen Österreichs an die EWG ein - trotzdem blieb die ÖVP-Regierung bei ihrer Politik des rapprochements in kleinen, behutsamen Schritten: ein fortschreitender Prozess der Annäherung an die Länder der EWG, der für die DDR die beunruhigende Aussicht auf eine zunehmende Verschärfung des Wettbewerbs auf dem österreichischen Markt eröffnete.27 Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Österreich und der Sowjetischen Besatzungszone III. Die Siebziger- und Achtzigerjahre 1. In den frühen Siebzigerjahren wurde, in der Folge eines weiteren bedeutenden politischen Ereignisses, eine neue Stufe der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen erreicht: am 30. August 1973, in der Folge der Normalisierung der bilateralen politisch-diplomatischen Beziehungen, Unterzeichneten beide Staaten den ersten offiziellen Vertrag über eine weitere Ausdehnung des Handels. Eine gemischte Kommission sollte alle künftig auftretenden Probleme der bilateralen Handelsbeziehungen bearbeiten. Am 7. Dezember 1974 wurde zusätzlich ein 26 BArch-B. DL 2, VA/N 236, Handelsvertretung der DDR in Österreich, Programm der Marktprozesse für die Jahre 1969/70, 28.1 1.1968. - BArch-B, DL 2, VA/N I 544, Jahresanalyse 1967 der Handelsvertretung der DDR in Österreich, 4.1.1968. - Ebenda, Jahresanalyse 1968 der Handelsvertretung der DDR in Österreich, 7.1.1969. 27 BArch-B, DL 2, VA/N 236, Handelsvertretung der DDR in Österreich, Disposition zur Analyse: Entwicklung der Leichtindustrie in Österreich und die perspektivischen Absatz- und Bezugsmöglichkeiten für die wichtigsten Erzeugnisse der DDR-Leichtindustrie, 13.7.1966. - Ebenda, Handelsvertretung der DDR in Österreich, Einschätzung der Abwicklung der mit österreichischen Betrieben abgeschlossenen Kooperationsvereinbarungen und deren weitere Möglichkeiten, 6.3.1967. - BArch-B, DL 2, VA/N 1 544, Jahresanalyse 1968 der Handelsvertretung der DDR in Österreich, 7.1.1969. 177